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Es werden Posts vom 2017 angezeigt.

Weil nicht sein kann, was nicht sein darf ...

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(19. August 2017) Die Familie kennt mich, kennt mich gut, auch der Teil, in den ich "nur " eingeheiratet habe, denn das ist immerhin auch schon fast 25 Jahre her. Alle wissen genau: Der Mann ist tief in der Wolle gefärbter Naturwissenschaftler - und das stimmt ja auch. Sie wissen darüberhinaus, dass Naturwissenschaftler ausschließlich an Fakten und Zahlen orientierte Wesen sind, die sich für ihre Mitmenschen aber nicht so interessieren und die keine künstlerische Ader haben - und das stimmt nicht. Der lebende Gegenbeweis schreibt soeben diesen Blog-Beitrag.
Ich weiß mittlerweile, dass Menschen, die mich länger kennen, Schwierigkeiten damit haben, dass ich mich der darstellenden Kunst der Zauberei widme, obwohl ich doch nach dem gängigen Klischee als rationaler Naturwissenschaftler dafür kein Talent haben dürfte. Aber das theoretisch zu wissen ist das Eine, aber das namelose Erstaunen (oder soll ich sagen "Entsetzen"?) in den Augen von Verwandten zu sehen, mit dene…

Boarischs Zaubern

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(8. Juli 2017) Wir sind Abends bei Freunden in München zu Gast: Sie gebürtige Münchnerin, er Flachlandtiroler wie ich auch, beide alles andere als klischeehaft bayrisch.
Früher am Tage war ich durch den Münchner C&A gelaufen und hatte preiswerte Trachtenmode entdeckt oder besser gesagt: Mode die lose an bayrische Trachten angelehnt ist. Da sticht mich der Hafer und ich lege mir ein Outfit in diesem Stile zu: Das ist so peinlich und so dumm-dreist touristisch, dass es schon wieder in Ordnung ist, wie ich finde ... Der Anzug hat den gewünschten Effekt: Er sorgt für Heiterkeit und bissige Kommentare. Wer sich nicht selber auf den Arm nehmen kann, darf das bei anderen erst recht nicht tun.
Je nun: Ich spiele dieselben Nummern wie bei unseren anderen Freunden und wieder kommen die Sachen gut an. Das freut mich insbesondere deshalb, weil ich wirklich Schwierigkeiten habe, mein Repertoire schnell genug auszubauen, um immer wieder etwas Neues zu haben. Neu im Programm sind unter anderem …

Tuchfärbung ohne Brille

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(2. Juli 2017) Ich lag daneben, mal wieder. Ich habe eine Nummer einstudiert, im Rahmen derer ein Tuch mehrfach die Farbe ändert und ich erkläre - vorgeblich - nach einem Durchgang den "Trick". Ich hatte gedacht: Naja, eine kleine Kleinigkeit, die man mal zwischendurch spielen kann, viel Aufwand war es nicht, sie einzustudieren. Aber der Effekt kommt - für mich überraschend - unglaublich gut an. So, wie zum Beispiel just bei einem Kleinstauftritt bei guten Freunden.
Nun kann man sagen: Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler - und was weiß der Angler schon von eines Barsches Leibspeise? Aber müsste ich nicht mittlerweile besser in der Lage sein, vorherzusehen was bei meinem Publikum, bei meinem Vorführstil, bei meiner Bühnenfigur ankommt und was nicht? Andere Nummern, in die ich viel Aufwand für Präsentation, Geschichte und Technik gesteckt habe, verpuffen mehr oder minder, ohne das ich wüsste wieso. So schön das eine ist, so frustrierend ist das andere. Ich hab…

Zwei von dreien versaut

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(24. Juni 2017) Zum Sommerfest des TSV Berkersheim, dessen Vorsitzender ich bin, muss ich natürlich etliche Beiträge liefern: Bänke schleppen, Getränke bestellen, Zelt aufbauen, Gäste begrüßen, Preislisten aufhängen - und zaubern. Ich habe mich dieses Mal für ein kleines, kurzes Programm auf Halbdistanz entschieden und dafür, Nummern zu spielen, die ich bereits gut kenne (Echo von Wayne Dobson und eine dreifache Kartenvorhersage). Wie üblich mache ich mich über meine mangelnden Mentalistenfähigkeiten lustig und interpretiere die Nummern dergestalt um, dass nicht ich die Vorhersagen mache oder zaubere, sondern die Zuschauer.
Wie üblich gibt es eine Menge Ironie und Sarkasmus und die kreative Publikumsbeleidigung.
Obwohl ich die Nummern gut kenne und bereits mehrfach gespielt habe, versaue ich zwei von dreien! In beiden Fällen gelingt es mir, die Fehlleistung so zu kaschieren, dass es wohl nicht aufgefallen ist, denn hinterher bekomme ich eine Menge Zuspruch und positive Rückmeldungen …

Pause, Pause und Pause

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(10. Juni 2017) Das Hoffest der Fidelen Eckenheimer ist gut besucht, sehr gut sogar. Dazu mag das hervorragende Wetter seinen Teil beigetragen haben, aber Kaffee und Kuchen gehen immer, insbesondere wenn noch ein bischen Bier und Äppler "un e besje Bebabbel mit de Leut" dabei ist: Nichts dagegen einzuwenden.
Mir hat es nicht gefallen. Für mich war die Veranstaltung eine Prüfung, eine Prüfung meiner Geduld. Denn den wesentlichen Teil des Nachmittages nimmt die Ziehung einer schier endlosen Anzahl von Tombolapreisen ein. Ich bin mit table hopping immer nur in den Pausen dieser Preisvergabe dran - und so eine Verlosungsrunde kann schon mal 40 Minuten dauern. Während dieser Zeit sitze ich rum. Das ist im Prinzip in Ordnung, denn es ist im Prinzip so vereinbart, aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass die Pause so lang sein würden. Nun bin ich von der Einsicht in die eigene Bedeutungslosigkeit vollständig durchdrungen: Zauberer sind, wenn sie nicht grade David Copperfield, Pe…

Freunde sind wie Kinder

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(25. Mai 2017) Kinder sind für mich als Publikum schwierig: Sie haben nur eine kurze Aufmerksamkeitsspanne, interessieren sich nicht für meine Vorträge (die ich immer so witzig, interessant und einfallsreich finde - einer muss sie ja schließlich mögen ...) und wollen es immer schnell, bunt und laut.
Freunde sind genauso - nur anders. Sie kennen einen in einer anderen Rolle, sie kennen die eigenen Stärken und Schwächen, sie "kaufen" die Bühnenperson nicht, die man anderen Zuschauern zeigt. Das alles macht es sehr viel schwerer, selbst die fertigen, geschliffenen Routinen glaubhaft und gut zu spielen. So auch für mich, der ich am Vatertag meine guten, alten Freunden über dem Nachtisch eines Grillabends ein wenig unterhalten wollte. Im Publikum sitzen zwei Patentanwälte, eine Tiermedizinerin, eine Übersetzerin und eine Biochemikerin - auch das macht die Sache nicht einfacher. Dafür, so wage ich zu sagen, lief's gut. Es scheint sich das Publikum gut amüsiert zu haben. Ein Fr…

Beschränkungen überwinden - und nutzen ...

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(19. Mai 2017) Behinderte Zauberer haben mich schon immer schwer beeindruckt. Wir, die wir im Vollbesitz unserer körperlichen - wenngleich nicht immer unserer geistigen ;-) - Kräfte sind, haben häufig schon alle Hände voll zu tun damit, unseren Körper dazu zu bringen, zu tun was getan sein muss, damit eine Illusion zustande kommt. Ich hoffe, der geneigte Leser hat elegante Wortspiel in diesem Satz bemerkt; zur Sicherheit noch mal der Hinweis: "alle Hände voll" ...
René Lavand, 2015 verstorben, konnte in Folge eines Unfalls seit seinem neunten Lebenjahr seinen rechten Arm nicht gebrauchen - und war dennoch ein unglaublich erfolgreicher, charismatischer Zauberer! Hier kann man sich eine seiner bekanntesten Nummern anschauen - nein: Man kann sie nur bestaunen!



So weit, so gut, aber am Montag dieser Woche hatte ich das Vergnügen, die folgende Nummer von Philippe Walter im Magischen Zirkel Frankfurt live sehen zu dürfen:

Insbesondere ab 3:10 wird es spannend: Die Idee fand ich ext…

Es paßt (nicht)

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(14. Mai 2017) Der Zauberauftritt anläßlich der Konfirmation einer jungen Dame ist gelaufen - und er ist gut gelaufen, soweit ich das beurteilen kann. Das Publikum ist gelöster Stimmung, will sich unterhalten lassen, geht schön mit, applaudiert und kommt mit meinem manchmal etwas sarkastischen Humor gut zurecht. Besonders freut mich, dass die Anagram-Nummer von Christoph Borer aus seinem Buch "21" sehr gut läuft und so gut ankommt: Die ist ab jetzt auch bei close-up-Auftritten fest in meinem Repertoire! Auch meine modifizierte ACR funktioniert gut: Das Konzept, mit dem ich ein wenig weg wollte von: "Deine Karte ist wieder oben - Deine Karte ist schon wieder oben - Deine Karte ist immer noch oben - Deine Karte ist ..." scheint aufzugehen. Läuft noch nicht hundertprozentig rund - am Ende steht ein card-to-wallet-Moment, der nicht ganz organisch eingepasst ist, aber da habe ich schon eine Idee, wie man das hoffentlich besser machen kann.
Nach dem Auftritt sitze ich d…

Geh'm Se dem Mann am Klavier ...

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(21. April 2017) Alle waren da, alle Zuschauertypen waren vertreten: Derjenige, der nicht ertragen kann, nicht zu verstehen, wie die Effekte gemacht sind und der deshalb noch mit einem Bissen Leberkäs' im Mund lautstark - und falsch - erklärt, wie er es sich so denkt, es waren die da, die fassungs- und reglos dasitzen, dabei fast vergessen zu atmen und tatsächlich vergessen zu klatschen, es waren etliche da, die erkennbar Lust hatten, sich unterhalten zu lassen und dem auch lautstark Ausdruck verleihen und es waren ein oder zwei Genervte und Gelangweilte da, die nix mit dem Kokolores zu tun haben wollten. Und es waren natürlich die da, die sofort gefragt haben, ob ich denn mal Lust hätte, in einem Kindergarten aufzutreten ... Na gut, das ist bei einem Helferfest in einer evangelischen Gemeinde mit Kindergarten (der Cyriakusgemeinde nämlich) vielleicht nicht ganz überraschend. Trotzdem: Ich mache erkennbar Erwachsenenprogramm, beleidige mein Publikum kreativ, rede über Newton'…

25% Zuschauerzuwachs

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(7. April 2017) "Interessant!" würde man heute wohl sagen oder vielleicht auch "Weißt Du: Wenn es Dir gefallen hat ..." wenn es um den open-stage-Abend in Christels Scheune geht. nach reiflicher Überlegung sage ich: Bizarr, absurd, dadaistisch! Das Photo zeigt das gesamte Publikum des Abends - jawohl, das gesamte Publikum! Also, zumindestens die Startbesetzung. Im Laufe des Abend gesellt sich noch eine weitere Dame hinzu: Ein Zuwachs von stolzen 25%! So weit, so irrelevant: Man geht zu einer offenen Bühne, weil man Dinge ausprobieren möchte und man erwartet kein riesiges Publikum. Also ist es dann eigentlich auch unwichtig, ob vier Leute im Publikum sitzen, oder 40. Ich jedenfalls habe mal wieder eine Variante eines Wayne-Dobson-Effektes gespielt, die sich ohne Publikum kaum richtig üben läßt und einen Anagram-Effekt von Christoph Borer ausprobiert - der nebenbei bemerkt sehr gut funktioniert hat und in mein festes Repertoire wandern wird. So weit also: Mission ac…

Wenn zwei das Gleiche tun ...

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(2. April 2017) ... dann ist das noch lange nicht dasselbe. So geht ein bekanntes Sprichwort. Aber selbst wenn einer das Gleiche tut, ist es noch lange nicht dasselbe. Ergibt keinen Sinn? Dann schauen Sie sich mal die folgenden Videos an:





Prinzip erkannt, oder? Die selben Mosaiksteinchen, ein ähnliches Bild - aber kein identisches! Sicher: Die Nummer bleibt immer erkennbar, aber die Vorfhrungen sind einander nicht identisch miteinander. Was muss der Mann für eine Routine haben mit dieser Routine, dass er in der Lage ist, die Teile so hin- und herzuschieben, sodass immer wieder etwas leicht Neues entsteht! So stelle ich es mir vor, wenn Musiker hunderte von Malen dieselben Songs spielen müssen: Sie arbeiten kleine Veränderungen ein, die das Musikstück nicht grundlegend verändern, aber auch für die Musiker selber interessant und frisch (was für ein Wortspiel ... ;-) ) halten.
Ich selber habe in den letzten Wochen und Monaten viel über "Thema und Variationen" in der Zauberei nac…

Ordnung im Chaos?

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(25. Februar 2017) "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht." (Genesis, 1. Mose, 1. Kapitel; Lutherübersetzung; der Ausdruck "Tohuwabohu" kommt übrigens daher, denn die lateinische Umschrift des hebräischen Ausdrucks von "wüst und leer" lautet "tohu va vohu" - es sage keiner, dieses Blog diene nur der leichten Unterhaltung ... :-) ). Es hat also einen Gott gebraucht, um dieses erste Chaos zu ordnen. Das wirft die Frage auf: Muss es immer gleich ein Gott sein, damit die Ordnung in einem Chaos offenbar wird?
Wer mal den Kindermaskenball der Krätscher gesehen hat, wird zu der Erkenntnis gelangen: Ja! Ein heilloses Durcheinander von ca. 100 Kindern und ihren Eltern, Großeltern oder sonstigen Betreungspersonen, ein Wuseln, ein Schreien, ein Lachen, ein Tohuwabohu, wie es im Buche steht - und…

Subtil geht anders

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(18. Februar 2017) Alle Jahre wieder darf ich zum Kinder-Preismaskenball des MV Nordenstadt in Wiesbaden antreten - und das ist wirklich ein “darf”, denn das macht wirklich Spaß während einer Veranstaltung, die eher ein Kinderspielfest denn eine Karnevalssitzung ist, einen Zaubermarathon von sage und schreibe fünf Stunden hinzulegen. Das gibt einem die Gelegenheit, Nummern unter “Echtbedingungen” mehrfach zu wiederholen und die Reaktionen zu prüfen und ganz generell neue Sachen feinzuschleifen, denn das Publikum besteht sicher aus 200 Kindern und ihren Eltern. Becher-und-Ball-Nummer: Check; Kartentrick Eyephone 10: Check; Cups'n Balls: Na ja ...
Gut: Mein Stil ist ja üblicherweise von englischem Humor, Wortwitz  und Ironie geprägten - und das geht ein wenig verloren, wenn aus den Lautsprechern Lieder erklingen wie etwa:”Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad” - zu einem Techno-Beat! Dagegen anzusprechen und zu -brüllen hätte mich fast die Stimme gekostet, aber jetzt kann ich weni…

Also, meine Frau sagt ja ...

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(20. Januar 2017) ... es sei sehr unterhaltsam gewesen - und wer bin ich, dass ich meiner Frau widerspreche. Die Rede ist übrigens von der Veranstaltung "Lausig aber lustig: Die Zauberanfänger" des Magischen Zirkels Frankfurt die zu organisieren ich die Freude hatte. Hier gibt es den Link zur Webseite mit den näheren Erläuterung, worum es sich dabei genau gehandelt hat. Die Kurzfassung lautet: Mehrere Anwärter des Magischen Zirkels gehen in loser Folge auf die Bühne, spielen ein kurzes Programm von 15 bis 20 Minuten - und dann kommt der Nächste.
Man ist ja selber bekanntermaßen selten ein guter Kritiker der eigenen Werke und ich war mit der Durchführung der Veranstaltung so sehr beschäftigt, dass ich kein gutes Gespür dafür hatte, wie es denn so gelaufen ist. Mir oblag die Moderation der gesamten Veranstaltung und auf sehr, sehr kurzen Zuruf musste ich noch für einen Teilnehmer einspringen, der eines Trauerfalles in der Familie wegen nicht antreten konnte.
Ich sag's mal…

Wenn's läuft, dann läuft's!

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(7. Januar 2017) Das neue Jahr fängt gut an, sehr gut! Nämlich mit einem Privatauftritt anläßlich des 70. Geburtstags einer sehr netten Dame - die eine Ihrem Nettigkeitsgrad angemessene Festgesellschaft um sich versammelt hat. Die ist nicht groß, diese Gesellschaft, aber die wollen sich unterhalten lassen!
Ich habe schon mehrfach bemerkt, wie schwierig es ist, zu Zaubern, wenn das Publikum nicht auf Zaubern eingestellt ist, aber umgekehrt wird auch ein Schuh draus: Wenn Zaubern auf die Tagesordnung paßt, dann geht die Post ab! Quasi die Umkehrung des Zitats des berühmten Fußballfeingeistes Andreas Brehme:"Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß!".
Ich habe die besagte Substanz weder an den Füßen noch an den Fingern - und die Sache läuft! Neue Nummern, alte Nummern, alles geht. Leute stehen auf und folgen mir an das andere Ende des großen Tisches, die Kinder drängen sich - wie immer - auf 2cm heran und es wird applaudiert und gelacht dass es eine Freude ist. Ich habe so v…