Sonntag, 19. November 2017

Ein Satz mit X ...

(17. November 2017) Zur Erinnerung: Ich wechsele grade meinen Arbeitgeber und habe mich von meinen Frankfurter Kollegen bereits letzte Woche mit einer kleinen Zaubervorstellung verabschiedet - siehe vorhergehender Blog-Beitrag. Meinen Münchner Kollegen - zahlenmäßig mehr als die aus Frankfurt - wollte ich ein Gleiches anbieten.
Ich mache es kurz: 900km in 10 Stunden gefahren, 20 Münchner Kollegen zur Abschiedsvorstellung eingeladen, zwei sind erschienen.
Das erinnert einen mal wieder daran, dass wir Zauberer (und Clowns und Jongleure und Feuerspucker und Ballonmodellierer und stand-up comedians und Amateurmusiker und ...) ein falsches Verständnis von Angebot und Nachfrage haben. Nicht wir haben etwas im Angebot, das die Menschen nachfragen, sondern die Menschen haben etwas, das wir nachfragen: Ihre Zeit. In diesem Sinne habe ich jetzt gelernt, dass die Nachfrage von anderen Angeboten nach der Zeit meiner Kollegen wohl zu groß war, als dass sie sich hätten entschließen können, mir einen Teil dieser Zeit zu widmen.
Na gut: Wieder aufstehen, Staub abschütteln, Krone richten, weitermachen - new job, here I come!

Freitag, 10. November 2017

Zaubern statt Mettbrötchen

(10. November 2017) Wer "seine" Firma verlässt, der feiert einen Ausstand, so ist das in meiner Branche wenigstens üblich. Jaja, ich habe bisher allen Sirenenrufen aus den USA widerstanden und ein Dauerengagement in Las Vegas abgelehnt, ich arbeite nach wie vor in meinem angestammten Brotberuf ... 😉 So ein Ausstand ist normalerweise eine einfache Geschichte: Ein paar Stücke Kuchen auf den Tisch, Kaffee dazu: Fertig ist die Laube. Wahlweise dürfen es auch belegte Brötchen zu einem gemeinsamen Frühstück sein. Da sitzt man dann beisammen und erzählt sich die alten Kriegsgeschichten und versichert sich gegenseitig, wie gerne man miteinander gearbeitet hat - was in machen Fällen sogar stimmt.
Ich wollte das etwas anders gestalten, denn den Partyservice irgendwelche Nahrungsmittel auffahren lassen das kann jeder, zaubern nicht. Also habe ich meinen zukünftigen Ex-Kolleginnen und Ex-Kollegen quasi eine Abschiedsvorstellung gegeben - im vollen Ornat - in der Kaffeeküche - zur äußersten Überraschung der Mitarbeiter, die mich nicht oder nicht so genau kannten.
Es war eine kuriose, eine tolle Veranstaltung in sehr netter Atmosphäre: Eine Stunde micro magic an meinem eigenen Tisch. Nächste Woche gibt's das gleiche noch mal in München, denn da sind auch noch etliche meiner Kolleginnen und Kollegen beheimatet.

Montag, 6. November 2017

Gästeabend des Magischen Zirkels Frankfurt: Eintrag Nummer 101!

Der Zuschauer zaubert für mich: Wayne Dobson at his best!
(5. November 2017) Kaum zu glauben, aber dieser Eintrag in meinem Blog ist der hundert-und-erste! Der erste Eintrag geht auf das Jahr Anno Domini 2014 zurück - und das ist in der Zeitrechnung des Internets die Steinzeit! Ich weiß gar nicht mehr, warum ich seinerzeit damit angefangen habe, aber mittlerweile hat dieses Ding mehr als 12.000 Zugriffe! Kaum zu glauben, wer hat denn die Zeit den Sch€|ß hier zu lesen? Fragt derjenige, der die Zeit hat, den Sch€|ß zu schreiben ...
How-auch-ever: Dieser Eintrag ist noch aus einem anderen Grund was besonderes, er beschreibt nämlich den Gästeabend des Magischen Zirkels in Frankfurt, an dem ich in diesem Jahr nicht nur als Künstler teilnehmen durfte (wie vor einem Jahr; siehe hier), sondern den maßgeblich mitzuorganisieren ich das Vergnügen hatte (ich wollte noch mal den Bildungsbürger raushängen lassen und zeigen, dass ich auch so eine Satzkonstruktion unfallfrei zum Ende bringen kann). Ich durfte den Abend moderieren - und das an meinem Geburtstag. Ich hatte alle meine Freunde, Verwandten und Bekannten zu der Veranstaltung eingeladen - statt einer Geburtstagsfeier sozusagen.
Was soll ich sagen: Für mich war es eine Riesensause! Die Hütte (die Alte Wache in Oberstedten) war voll, ein, zwei Leut' hätten wir vielleicht noch seitlich ins Gepäcknetz legen können, aber mehr wäre nicht gegangen. Die Meute war willens, sich unterhalten zu lassen: Immer eine gute Voraussetzung für darstellende Künstler. Na gut, einen Ausfall hat es gegeben, mit dem sich der Kollege Alex Morgenthau (hier seine Webseite) auseinanderzusetzen hatte: Immer blöd, wenn der Mentalist darauf angewiesen ist, dass der Zuschauer sich etwas denkt und hinterher wahrheitsgemäß Auskunft darüber gibt, was er sich vorher denn so gedacht hat - oder überhaupt Auskunft gibt - und nicht versucht, den Künstler auflaufen zu lassen - oder lustiger sein will als der Mentalist.
Ich hatte da mit dem Zuschauer, mit dem ich Echo von Wayne Dobson (eine Variante der besessenen Karte) gespielt habe, deutlich mehr Glück - oder sollte ich sagen: Fortune? Ich hatte mir den Herrn, der wirklich phantastisch mitgespielt hat, nämlich vorher ausgesucht und anhand seines Verhaltens im Publikum geschlossen, dass er wahrscheinlich auch die etwas derberen Späße würde verkraften können. Er konnte ...
Ansonsten waren noch die Kollegen Amedeo Velluso, Mario Kolodzeike, Hanspeter Balßer und das Duo #zauber{zw}ei bestehend aus Sören Pohl und Samuel Lenz dabei.

P.S.: Unsere Gäste haben uns sehr reichlich mit Spenden bedacht - dafür bedanken wir uns sehr!

Dienstag, 31. Oktober 2017

Mal was anderes!

(26. Oktober 2017) Der Charly ist ein ehemaliger Arbeitskollege von mir und über die Jahre ein guter Bekannter geblieben. Der Charly hat sich einen lange gehegten Traum erfüllt und unter dem Namen Spiel-Punkt einen Spieleladen eröffnet - neben seinem Brotberuf mal so eben nebenher! Hin und wieder haben wir auch schon mal Veranstaltungen zusammen bestritten und ich will nicht lügen: Das war nicht immer so zur vollen Gänze von Erfolg gekrönt - es scheint da noch das richtige, zündende Gesamtkonzept zu fehlen.
Nun arbeitet der Charly seit einiger Zeit bei einer neuen Firma und die hatte dieser Tage ihre jährliche Anwenderkonferenz ausgerichtet. Gut, eine Veranstaltung, die etwas kleiner ist als das, was man sich unter dem Wort "Konferenz" so vorstellt, aber für die Firma doch ein wichtiger Termin im Kalender. Damit der Tag nicht so dröge verläuft und sich nicht nur ein Fachvortrag an den anderen reiht, lockert man den Tag immer durch einen Vortrag "außer der Reihe" auf - und den habe ich in diesem Jahr gehalten. Einen Vortrag zum Thema Neurowissenschaften und Zaubern - den ich unter den Titel "Vielen Dank für Ihre Unaufmerksamkeit!" gestellt habe. Ich habe mich sehr gefreut, dass sich jemand für dieses Thema interessiert und eine Stunde über John Ramsay, Tom Stone und Tommy Wonder erzählt und den Vortrag durch ein paar Kunststücke untermauert - natürlich ohne gegen mein Magischer-Zirkel-Gelübde zu verstossen, ist ja klar ... ;-)
Am Abend war dann noch nach des Tages Mühe ein wenig gemütliches Beisammensein angesagt, was ich durch table hopping begleitet habe. "I'm pleased as punch" wie der Brite sagt: Das hat eine Menge Spaß gemacht und ist richtig gut gelaufen. So langsam finde ich meine Form, meine Figur und meine Nische.

Sonntag, 15. Oktober 2017

Ich bin ein Nerd!

(14. September 2017) Natürlich bin ich das: Ich gebe viel Geld für einen runden Holzstab aus, nur weil irgendjemand "Zauberstab" dranschreibt und ich lege mir noch mal eine zusätzliche 12er-Packung von den extra-teuren, amerikanischen Spielkarten ins Regal (neben die andere, ungeöffnete 12er-Packung derselben Karten) - man weiß ja nie. Wir nennen so eine 12er-Packung übrigens "brick", David Copperfield und ich.
Zu seiner vollen Blüte und schönsten Entfaltung gelangt dieses Nerd-tum bei uns Zauberern während der sogenannten Zauberkongresse. Die haben im engeren Sinne natürlich nichts mit  wissenschaftlichen Kongressen zu tun, sind aber für alle, die sich mit dem Zaubervirus infiziert haben, ein absolutes Paradies für einen Tag. Da sind zum einen die Vorträge der Kollegen, die sich professionell mit der Zauberei beschäftigen und die ihr Wissen weitergeben und zum anderen die Stände der Händler, die diverse Utensilien verkaufen. Man glaubt es kaum: Jedes Jahr wird der heilige Gral des Zauberzubehörs oder der Zaubermethoden gefunden - mehrfach - auf eine DVD oder
zwischen Buchdeckel gepresst - nur in begrenzter Stückzahl erhältlich - nur hier und heute zu Kongresspreisen ;-) Der Kongress Magie Exquisit des Ortszirkels Frankfurt des Magischen Zirkels, der im wunderschönen Comoedienhaus Wilhelmsbad in Hanau stattfindet, ist da keine Ausnahme. Ich war da und hatte mir vorgenommen nichts zu kaufen. Bis ich was gekauft habe, hat das auch ganz gut funktioniert. Ich bin eben ein Nerd, ich stehe dazu.
Mich fasziniert besonders der Vortrag von Thomas Fraps, der genauso wie ich studierter  Naturwissenschaftler ist (na gut, nur Physiker, aber die muss es ja auch geben ...) und der sich genauso wie ich für die naturwissenschaftlichen Grundlagen der Zauberei und insbesondere für die neurowissenschaftlichen Erkenntnisse in diesem Bereich interessiert. Hey, es gibt tatsächlich außer Tom Stone und Richard Wiseman - mit denen ich mich um Gottes Willen nicht vergleichen will! - noch mehr Leute, die sich ernsthaft und auf der Basis gesicherten, naturwissenschaftlichen Wissens mit der Zauberei auseinandersetzt - cool!
Und dann kommt Mike Caveney - und ich bekomme einen Muskelkater in den Bauchmuskeln vom Lachen! Der Mann hat einen so englischen Humor, dass es schwer zu glauben ist, dass er aus dem mittleren Westen der USA stammt. Kostprobe gefällig? "For the people who accuse me of fiddling around with the props, I only have two words - 'Ha!' - and I forgot the other one ..." Yep, that sense of humor is right up my alley! Hier eine Kostprobe seines Stils auf Youtube.

Mittwoch, 27. September 2017

Leer

(24. September 2017) Diejenigen meiner Leser, die wissen, dass ich ein gebürtiger Ostfriese bin, könnten vermuten, dass der Titel die gleichnamige Stadt in Ostfriesland meint. Ist aber nicht so. Er bezeichnet in der Tat den Füllstand meines Publikums anläßlich der Gemeindefeier in unserer lokalen Kirchengemeinde. Das Photo ist eine getreue Wiedergabe der Situation, wie sie den größten Teil der Zeit war. Das ist mir auch noch nicht passiert! Gut, ich muss zugeben, dass ich mit der Plazierung im Obergeschoss im erweiterten Treppenhaus zufrieden war, weil ich davon ausgegangen war, dass sich das Publikum schon durch das Haus bewegen würde. War aber nicht so. Unten im Saal gab es Kaffee und Kuchen und das geht ja bekanntlich immer: Wann bekommt man denn in dieser, unserer schwierigen Zeit schon mal Kaffee und Kuchen? Da muss man schon verstehen, wenn die Menschen lieber sitzenbleiben.
Kurz und gut: Wenn ich im nächsten Jahr noch einmal zu der Veranstaltung eingeladen werden sollte, dann werde ich nur table hopping im Saal anbieten und hoffen, dass das ins Programm paßt. Dann kann ich mir auch mein Publikum etwas besser aussuchen. Am eigenen Tisch zu stehen bedeutet natürlich, dass zuallervörderst die Kinder kommen - und ich habe mittlerweile verstanden, dass es Kollegen gibt, die als Kinderunterhalter einfach besser sind als ich mit meinen wortschweren, ironischen Nummern über Isaac Newton und Elementarteilchen. Wenn dann unter den Kindern auch noch solche sind, denen ihre Eltern eine anständige Erziehung verweigert haben und die trotz mehrfacher Aufforderung das nicht zu tun reingrapschen, rumschreien und mit aller Macht hinter den Tisch wollen, dann sinkt meine Laune merklich. Es verstehe mich niemand falsch: Die Mehrheit der Kinder sind toll als Publikum. Sie klatschen zwar nicht (das ist ist eine Kulturtechnik, die offenbar erst nach der Pubertät erlernt wird), aber offene Münder und "Wie machst Du das?"-Nachfragen zeigen, dass sie sich gut unterhalten fühlen.
Na gut: Wieder eine Erfahrung reicher und weiter geht die Fahrt ...

Sonntag, 24. September 2017

Was ist Unterhaltung?

(23. September 2017) Eine komische und viel zu philosophische Frage für einen eigentlich so heiteren Anlaß wie die Heirat meines Schwagers, oder? Denn zum Fest zur Feier eben dessen bin ich durch die beiden Frischvermählten gebeten, ein wenig table-zu-hoppen: Ihr Wunsch ist mir Befehl. So weit, so unspektakulär. Ich spiele das, was mittlerweile mein Standard-Programm für solche Anlässe geworden ist: Schwammbälle, mouthcoils für die noch wache und überdrehte Jugend, ambitious card, ring'n'string, cut'n restored rope - alles was schnell auf den Punkt kommt, auch von der anderen Seite des Tisches noch gut zu sehen ist und nicht kiloweise Ausrüstung braucht. Erwähnenwert ist nur, dass ich zweimal meine Becher-und-Ball-Nummer zu spielen versuche und beide Male an Gästen scheitere, die - offenbar beflügelt durch den hastigen Genuß eines oder zweier Gläser Rhein-Weines zuviel - beherzt in die Nummer reingrapschen. Bevor sie der Nummer dauerhaften Schaden zufügen kann ich jeweils die Nummer zu einen vorzeitigen Ende führen. Wieder was gelernt.
Jetzt aber zur Unterhaltung: Ich bin nicht der einzige darstellende Künstler unter den Gästen, der die Veranstaltung heimsucht. Es gibt eine erhebliche Fraktion von Clowns, die es sich nicht nehmen lassen, zwei Nummern zu spielen. Jetzt habe ich seit gestern viel darüber nachgedacht, wie ich meine Meinung zum Dargebotenen in freundliche oder wenigstens lustige Worte fasse: Es fällt mir nichts ein. Ich fand die beiden Nummern tod-sterbens-langweilig, so, jetzt ist es raus ... Ich fand das Vorgestellte banal, sehr Slapstick-lastig (Teller fallen zu Boden, Kleidungsstücke rutschen, ...) und generell un-lustig. Groteske Verkleidungen, schiefes Singen und rote Nasen sollen offensichtlich signalisieren: Hier wird's lustig. Wird es für mich aber nicht. Und noch während die Nummern laufen, frage ich mich, was denn nun"unterhaltsam" ist. Ich habe noch keine vollständige Theorie der Unterhaltung (sobald ich die habe, schreibe ich ein Buch, werde berühmt und reich und setzte mich zur Ruhe), aber ich kann folgende drei Faktoren bereits jetzt benennen:

  • Tempo
  • Überrraschung
  • Relevanz

Ich hasse es, wenn eine Idee, die ich lange verstanden habe, endlos ausgewalzt wird, genauso wie ich es hasse, wenn Abläufe absehbar sind. Schlußendlich ist für mich immer die Frage: Was bedeutet das für mich, welche Anknüpfungspunkte gibts da für mich? Man muss das nicht überhöhen, es soll schließlich leichte Unterhaltung bleiben, aber so sieht's nun mal für mich aus.
Es verstehe mich niemand falsch: Ich habe groẞen Respekt davor, dass Menschen ihre Freizeit dafür einsetzen, anderen eine Freude zu machen, aber ich hoffe, dass mich mal bei Gelegenheit jemand beiseite nimmt und sagt: "Karsten, da war schon viel Schönes dabei, aber ...".

Sonntag, 17. September 2017

Kinder und Bedienungen

Nahkampfzaubern
(16. September 2017) Hat Spaß gemacht! Eine wirklich schöne Feier eines runden Geburtstages und ich mittendrin als kleines Unterhaltungs-amuse-bouche. Die Bedingungen sind zwar nicht ideal, denn es ist picke-packe-voll, die Gäste sitzen dicht gedrängt und hin und wieder bekomme ich einen Ellenbogen in den Rücken gerammt, aber die gut gelaunte Festgesellschaft macht das locker wieder wett. Man ist gelöster Stimmung, man ist wild entschlossen, sich zu unterhalten und sich unterhalten zu lassen - und das ist nicht nur die halbe, das ist die ganze Miete! Wenn die Menschen nicht auf Unterhaltung und nicht auf Zaubern eingestellt sind, dann kann man 12 Elefanten erscheinen und wieder verschwinden lassen und wird trotzdem nur die Bemerkung ernten, dass da ja schon viel Schönes dabeigewesen sei.  Aber wie gesagt ist die Geburtstagsfestgesellschaft aufgeräumter Stimmung - und es spielt keine Musik - und so wage ich es, einige meiner eher wortlastigen Nummern zu spielen, bei denen ich den Naturwissenschaftler, den Bildungsbürger und arroganten Schnösel raushängen lasse. Besonderen Spaß macht es mir, an jedem Tisch einen Karteneffekt zu spielen, der so gar nichts mit dem zu tun hat, was die meisten Leute unter einem "Kartentrick" verstehen (für die Zauberer unter meinen Lesern: ACR, Neither blind nor stupid, Sudden Deck, Presto Printo, Out of this world, ...).
So, jetzt zur Überschrift: Es gibt in der Festgesellschaft ein etwa fünf Jahre altes Kind und es wuselt eine Bedienung im Lokal herum - und beiden ist meine Kunst von Herzen egal. Die Bedienung fragt beherzt mitten in die Nummern hinein, ob's denn noch ein Bier oder etwas Senf zur Worscht sein darf. Da macht es dann hörbar "Knack" - das war der Spannungsbogen, den es erwischt hat. Das erlebe ich nicht zum ersten Mal in einem Restaurant, dass das Bedienpersonal offensichtlich überhaupt kein Sensorium dafür hat, dass solche Unterbrechungen fast nicht zu überspielen sind. Ich bin davon überzeugt, dass das nicht böse gemeint ist, genausowenig wie es das Kind böse meint, wenn es sich die Aufmerksamkeit der Erwachsenen holt, indem es grade mit einer Sofortbildkamera geschossene Photos rumzeigt. Blöd nur, wenn man grade dann mit dem einzigen Effekt des Abends in der Gegend rumsteht, der etwas winkelanfällig ist und man es gerne an den Punkt bringen würde, wo diese Winkelanfälligkeit aufgehoben wird!
So, was "gegen Kinder" zu sagen hat ja das Potential, einen shit storm auszulösen, also setze ich mir jetzt mal meinen Stahlhelm auf und hebe mir einen Graben aus ...

Sonntag, 20. August 2017

Weil nicht sein kann, was nicht sein darf ...

Ein sehr einfaches Spiel - ich kenne mein Publikum ...
(19. August 2017) Die Familie kennt mich, kennt mich gut, auch der Teil, in den ich "nur " eingeheiratet habe, denn das ist immerhin auch schon fast 25 Jahre her. Alle wissen genau: Der Mann ist tief in der Wolle gefärbter Naturwissenschaftler - und das stimmt ja auch. Sie wissen darüberhinaus, dass Naturwissenschaftler ausschließlich an Fakten und Zahlen orientierte Wesen sind, die sich für ihre Mitmenschen aber nicht so interessieren und die keine künstlerische Ader haben - und das stimmt nicht. Der lebende Gegenbeweis schreibt soeben diesen Blog-Beitrag.
Ich weiß mittlerweile, dass Menschen, die mich länger kennen, Schwierigkeiten damit haben, dass ich mich der darstellenden Kunst der Zauberei widme, obwohl ich doch nach dem gängigen Klischee als rationaler Naturwissenschaftler dafür kein Talent haben dürfte. Aber das theoretisch zu wissen ist das Eine, aber das namelose Erstaunen (oder soll ich sagen "Entsetzen"?) in den Augen von Verwandten zu sehen, mit denen ich mich lange nicht getroffen habe, wenn sie herausfinden, dass ich mich in der Zauberkunst erprobe, ein ganz anderes. An diesem Wochenende war es mal wieder soweit: Familientreffen in der besten deutschen Provinz, jemand spricht mich auf das Zaubern an, die Diskussion breitet sich über den gesamten Tisch aus und ich biete dem ungläubig staunenden, dem zweifelnden Auditorium eine Kostprobe meiner Kunst an - man hat ja immer den kleinen Handvorat für 48 Stunden Programm dabei ;-)  Es läuft wie geschmiert und das ungläubige, staunende und zweifelnde Auditorium ist fasziniert und offenkundig gut unterhalten. Warum ist diese Rollenfestlegung so wirkmächtig? Oder sollte mir das egal sein, solange es das Erstaunen des Publikums überhöht? Ich weiß es nicht ...
Es lohnt jedenfalls zu sagen, dass mir Stefan Sprenger, den ich als meinen Mentor ansehe, geraten hatte, eine Becher-und-Ball-Nummer mit einer größeren Abschlußladung zu beenden. Ich ende jetzt mit einem Tennisball, der grade so in den Becher paßt. Stefan, Du hattest recht ...

Sonntag, 9. Juli 2017

Boarischs Zaubern

Lederhosen-Zaubern
(8. Juli 2017) Wir sind Abends bei Freunden in München zu Gast: Sie gebürtige Münchnerin, er Flachlandtiroler wie ich auch, beide alles andere als klischeehaft bayrisch.
Früher am Tage war ich durch den Münchner C&A gelaufen und hatte preiswerte Trachtenmode entdeckt oder besser gesagt: Mode die lose an bayrische Trachten angelehnt ist. Da sticht mich der Hafer und ich lege mir ein Outfit in diesem Stile zu: Das ist so peinlich und so dumm-dreist touristisch, dass es schon wieder in Ordnung ist, wie ich finde ... Der Anzug hat den gewünschten Effekt: Er sorgt für Heiterkeit und bissige Kommentare. Wer sich nicht selber auf den Arm nehmen kann, darf das bei anderen erst recht nicht tun.
Je nun: Ich spiele dieselben Nummern wie bei unseren anderen Freunden und wieder kommen die Sachen gut an. Das freut mich insbesondere deshalb, weil ich wirklich Schwierigkeiten habe, mein Repertoire schnell genug auszubauen, um immer wieder etwas Neues zu haben. Neu im Programm sind unter anderem "kleine Illusionen": Effekte die das Gepräge einer Großillusion haben oder auf eine solche Bezug nehmen, aber trotzdem auf dem Tisch stattfinden. Für die Zauberer unter meinen Lesern: Das Photo zeigt eine - sehr freie - Interpretation von Metamorphosis.

Sonntag, 2. Juli 2017

Tuchfärbung ohne Brille

Häuptling Schadhafte Locke
(2. Juli 2017) Ich lag daneben, mal wieder. Ich habe eine Nummer einstudiert, im Rahmen derer ein Tuch mehrfach die Farbe ändert und ich erkläre - vorgeblich - nach einem Durchgang den "Trick". Ich hatte gedacht: Naja, eine kleine Kleinigkeit, die man mal zwischendurch spielen kann, viel Aufwand war es nicht, sie einzustudieren. Aber der Effekt kommt - für mich überraschend - unglaublich gut an. So, wie zum Beispiel just bei einem Kleinstauftritt bei guten Freunden.
Nun kann man sagen: Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler - und was weiß der Angler schon von eines Barsches Leibspeise? Aber müsste ich nicht mittlerweile besser in der Lage sein, vorherzusehen was bei meinem Publikum, bei meinem Vorführstil, bei meiner Bühnenfigur ankommt und was nicht? Andere Nummern, in die ich viel Aufwand für Präsentation, Geschichte und Technik gesteckt habe, verpuffen mehr oder minder, ohne das ich wüsste wieso. So schön das eine ist, so frustrierend ist das andere. Ich habe mit großem Gewinn die Fachbücher der Herren Fitzkee, Stone, Wonder und Nelms gelesen, die sich im Prinzip mit solchen Fragen auseinander setzen. Manches gut, vieles interessant, alles bedenkenswert was darin steht - soweit es mir zusteht darüber zu urteilen. Aber wo zum Teufel ist das einfache, kurze flow chart das man abarbeiten kann und an dessen Ende eine Auswahl der Effekte rauskommt, die "für mich passen"? Ist das heilige Gral der Zauberkunst nach dem alle suchen, oder bin ich der einzige, der durch die Weiten der Magie stolpert und nur hin und wieder mehr oder minder zufällig auf eine Goldader stößt? Wie auch immer: Weiter geht die Fahrt ...

P.S.: Ich lasse mich nie wieder ohne Brille photographieren: Da sieht die Stirn noch höher und die Lockenpracht noch schadhafter aus - Frechheit! ;-)

Sonntag, 25. Juni 2017

Zwei von dreien versaut

Sonnenschutz wegen schadhafter Lockenpracht
(24. Juni 2017) Zum Sommerfest des TSV Berkersheim, dessen Vorsitzender ich bin, muss ich natürlich etliche Beiträge liefern: Bänke schleppen, Getränke bestellen, Zelt aufbauen, Gäste begrüßen, Preislisten aufhängen - und zaubern. Ich habe mich dieses Mal für ein kleines, kurzes Programm auf Halbdistanz entschieden und dafür, Nummern zu spielen, die ich bereits gut kenne (Echo von Wayne Dobson und eine dreifache Kartenvorhersage). Wie üblich mache ich mich über meine mangelnden Mentalistenfähigkeiten lustig und interpretiere die Nummern dergestalt um, dass nicht ich die Vorhersagen mache oder zaubere, sondern die Zuschauer.
Wie üblich gibt es eine Menge Ironie und Sarkasmus und die kreative Publikumsbeleidigung.
Obwohl ich die Nummern gut kenne und bereits mehrfach gespielt habe, versaue ich zwei von dreien! In beiden Fällen gelingt es mir, die Fehlleistung so zu kaschieren, dass es wohl nicht aufgefallen ist, denn hinterher bekomme ich eine Menge Zuspruch und positive Rückmeldungen - auch von Zuschauern, die ich nicht im Verdacht habe, mir unnötig schmeicheln zu wollen ... ;-)
Aber ich ärgere mich über mich selber: Nicht genug geübt? Einfach mal Pech gehabt? Mich zu sicher gefühlt? Ich weiß es nicht, aber ich bin da unter meinen Möglichkeiten geblieben. Na gut: Wieder aufstehen, Staub abschütteln, Krone zurechtrücken, nächstes Mal besser machen ...
Es ist schon kurios, wie sehr Fremdwahrnehmung und Eigenwahrnehmung auseinander gehen können: Einmal stümpert man irgendwas hin und wird gefeiert, ein anderes Mal zaubert man gefühlt auf dem Niveau von Copperfield und erntet lauwarme Mißachtung. Man sollte meinen, dass man mit der Zeit ein Gefühl dafür entwickelt, was wem wann wie gut gefällt.
Die dritte Nummer ist nebenbeibemerkt ein magisches Quadrat auf der Basis einer "mental" ermittelten Zuschauerzahl, und obwohl ich das zum ersten Mal spiele, funktioniert es richtig gut: That's a keeper!

Sonntag, 11. Juni 2017

Pause, Pause und Pause

(10. Juni 2017) Das Hoffest der Fidelen Eckenheimer ist gut besucht, sehr gut sogar. Dazu mag das hervorragende Wetter seinen Teil beigetragen haben, aber Kaffee und Kuchen gehen immer, insbesondere wenn noch ein bischen Bier und Äppler "un e besje Bebabbel mit de Leut" dabei ist: Nichts dagegen einzuwenden.
Mir hat es nicht gefallen. Für mich war die Veranstaltung eine Prüfung, eine Prüfung meiner Geduld. Denn den wesentlichen Teil des Nachmittages nimmt die Ziehung einer schier endlosen Anzahl von Tombolapreisen ein. Ich bin mit table hopping immer nur in den Pausen dieser Preisvergabe dran - und so eine Verlosungsrunde kann schon mal 40 Minuten dauern. Während dieser Zeit sitze ich rum. Das ist im Prinzip in Ordnung, denn es ist im Prinzip so vereinbart, aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass die Pause so lang sein würden. Nun bin ich von der Einsicht in die eigene Bedeutungslosigkeit vollständig durchdrungen: Zauberer sind, wenn sie nicht grade David Copperfield, Penn & Teller oder Tommy Wonder heissen, immer Beiwerk, immer Schmuck am Nachthemd. Aber ich wäre während der Veranstaltung gerne ein paar Minuten länger bedeutungslos gewesen, so viel Eitelkeit habe ich dann doch in mir. Immerhin war ich fast fünf Stunden vor Ort ...
Was den Auftritt als solches angeht, so hat er nach meinem Eindruck gut funktioniert: Es kristallisiert sich immer mehr heraus, welche Teile meines close-up-Programms für table hopping taugen - und welche nicht. Erstaunlich wie genau man nach einigen Vorführungen mitbekommt, wohin die Zuschauer blicken, wo die misdirection funktioniert - und wo nicht! Das macht natürlich die Routine, die ein paar Synapsen im Hirn freigespielt hat, die sich nicht auf "Jetzt bloß nicht auf die eigenen Hände schauen!" oder "So, welche Phase kam jetzt noch mal?" oder "Bloß den nächsten Griff nicht verkacken!" konzentrieren müssen - und können dann die Zuschauer beobachten. Meine freien Synapsen haben zum Beispiel erkannt, dass es in der Ring'-n-String-Routine einen Moment gibt, an dem die misdirection immer noch nicht gut genug ist: Zurück vor den Übungsspiegel ...

P.S.: Die einzige, auf dem Photo nicht unkenntlich gemachte Person ist eine unserer Bundestagsabgeordneten, nämlich Uli Nissen. Die ist eine Person des öffentlichen Interesses und kann sich demzufolge nicht dagegen wehren, abgelichtet zu werden - und damit zuzugeben, dass Sie mir interessiert zugeschaut hat ... ;-)

Freitag, 26. Mai 2017

Freunde sind wie Kinder

(25. Mai 2017) Kinder sind für mich als Publikum schwierig: Sie haben nur eine kurze Aufmerksamkeitsspanne, interessieren sich nicht für meine Vorträge (die ich immer so witzig, interessant und einfallsreich finde - einer muss sie ja schließlich mögen ...) und wollen es immer schnell, bunt und laut.
Freunde sind genauso - nur anders. Sie kennen einen in einer anderen Rolle, sie kennen die eigenen Stärken und Schwächen, sie "kaufen" die Bühnenperson nicht, die man anderen Zuschauern zeigt. Das alles macht es sehr viel schwerer, selbst die fertigen, geschliffenen Routinen glaubhaft und gut zu spielen. So auch für mich, der ich am Vatertag meine guten, alten Freunden über dem Nachtisch eines Grillabends ein wenig unterhalten wollte. Im Publikum sitzen zwei Patentanwälte, eine Tiermedizinerin, eine Übersetzerin und eine Biochemikerin - auch das macht die Sache nicht einfacher. Dafür, so wage ich zu sagen, lief's gut. Es scheint sich das Publikum gut amüsiert zu haben. Ein Freund, den ich nicht im Verdacht habe, mir lediglich schmeicheln zu wollen (gehört das nicht zur "Stellenbeschreibung Freund"?) sagt ganz trocken, ich hätte mich im Vergleich zu vor zwei, drei Jahren erheblich verbessert und er habe keine Ahnung mehr, wie die Effekte gemacht gewesen seien. Na, das freut doch die Hausfrau!

Freitag, 19. Mai 2017

Beschränkungen überwinden - und nutzen ...

(19. Mai 2017) Behinderte Zauberer haben mich schon immer schwer beeindruckt. Wir, die wir im Vollbesitz unserer körperlichen - wenngleich nicht immer unserer geistigen ;-) - Kräfte sind, haben häufig schon alle Hände voll zu tun damit, unseren Körper dazu zu bringen, zu tun was getan sein muss, damit eine Illusion zustande kommt. Ich hoffe, der geneigte Leser hat elegante Wortspiel in diesem Satz bemerkt; zur Sicherheit noch mal der Hinweis: "alle Hände voll" ...
René Lavand, 2015 verstorben, konnte in Folge eines Unfalls seit seinem neunten Lebenjahr seinen rechten Arm nicht gebrauchen - und war dennoch ein unglaublich erfolgreicher, charismatischer Zauberer! Hier kann man sich eine seiner bekanntesten Nummern anschauen - nein: Man kann sie nur bestaunen!



So weit, so gut, aber am Montag dieser Woche hatte ich das Vergnügen, die folgende Nummer von Philippe Walter im Magischen Zirkel Frankfurt live sehen zu dürfen:


Insbesondere ab 3:10 wird es spannend: Die Idee fand ich extrem clever! Sich selber eine "Beschränkung" aufzuerlegen, mündet hier mal wirklich in eine Hommage, die diesen Namen verdient, nicht nur eine einfache Wiederholung, die als Hommage verkauft wird. Es zeigt sich mal wieder, dass Beschränkungen in der Kunst - politische Zensur, hoher Produktionsdruck, begrenzete Themenwahl, ... - sich durchaus positiv auf die Kreativität auswirken können. Man sollte vielleicht viel häufiger darüber nachdenken, sich selber Beschränken aufzuerlegen und zu schauen was dabei rauskommt, wenn man:
  • nur grüne Requisiten verwendet.
  • das Jacket falsch herum anzieht.
  • auf Knien zaubert.
  • eine Sprechnummer stumm vorzuführen versucht.
  • ...

Montag, 15. Mai 2017

Es paßt (nicht)

(14. Mai 2017) Der Zauberauftritt anläßlich der Konfirmation einer jungen Dame ist gelaufen - und er ist gut gelaufen, soweit ich das beurteilen kann. Das Publikum ist gelöster Stimmung, will sich unterhalten lassen, geht schön mit, applaudiert und kommt mit meinem manchmal etwas sarkastischen Humor gut zurecht. Besonders freut mich, dass die Anagram-Nummer von Christoph Borer aus seinem Buch "21" sehr gut läuft und so gut ankommt: Die ist ab jetzt auch bei close-up-Auftritten fest in meinem Repertoire! Auch meine modifizierte ACR funktioniert gut: Das Konzept, mit dem ich ein wenig weg wollte von: "Deine Karte ist wieder oben - Deine Karte ist schon wieder oben - Deine Karte ist immer noch oben - Deine Karte ist ..." scheint aufzugehen. Läuft noch nicht hundertprozentig rund - am Ende steht ein card-to-wallet-Moment, der nicht ganz organisch eingepasst ist, aber da habe ich schon eine Idee, wie man das hoffentlich besser machen kann.
Nach dem Auftritt sitze ich dann noch ein wenig bei der Dame des Hauses und es wird small talk gemacht: Seit wann ich zaubere, wie ich dazu gekommen bin, welche Bedeutung die Mitgliedschaft im Magischen Zirkel für mich hat und anderes mehr. Die Rede kommt auch auf meine Webseite (www.intelligente-unterhaltung.de) und auf meine Universitäts-Abschlüsse in Chemie. Ich hatte mich vorher schon als tief in der Wolle gefärbten Naturwissenschaftler zu erkennen gegeben und die Gastgeberin sagt, es sei ja erstaunlich, dass so jemand wie ich auf so ein künstlerisches Hobby komme, das passe ja normalerweise nicht so zusammen. Ich schwanke zwischen "Weglächeln" und "ernsthafte Diskussion über Rollen anfangen". Ich entscheide mich dafür, meine Meinung zum Besten zu geben: Ich halte es für ein Cliché, dass Menschen nur eine Begabung haben können - wenn ich mir dann mal ganz arrogant selber attestieren darf, weder als Naturwissenschaftler noch als Zauberer ein Vollversager zu sein. Aber ich wundere mich die ganze Heimfahrt lang immer noch darüber, wie prägend und wirkmächtig solche Rollenzuschreibungen sein können.

P.S.: Ich bin übrigens auch noch recht gut im Standard- und Latein-Tanzen, spreche fließend Englisch, kenne mich einigermaßen in Geschichte und Literatur aus, habe eine recht gute Übersicht über das Werk des Malers Jan van Eyck, beherrsche die elektronische Bildverarbeitung und habe mir ein solides Wissen über romantische Sinfonien angeeignet. Ich weiß, ich weiß: Is there no end to this mans talents? ;-)

Samstag, 22. April 2017

Geh'm Se dem Mann am Klavier ...

(21. April 2017) Alle waren da, alle Zuschauertypen waren vertreten: Derjenige, der nicht ertragen kann, nicht zu verstehen, wie die Effekte gemacht sind und der deshalb noch mit einem Bissen Leberkäs' im Mund lautstark - und falsch - erklärt, wie er es sich so denkt, es waren die da, die fassungs- und reglos dasitzen, dabei fast vergessen zu atmen und tatsächlich vergessen zu klatschen, es waren etliche da, die erkennbar Lust hatten, sich unterhalten zu lassen und dem auch lautstark Ausdruck verleihen und es waren ein oder zwei Genervte und Gelangweilte da, die nix mit dem Kokolores zu tun haben wollten. Und es waren natürlich die da, die sofort gefragt haben, ob ich denn mal Lust hätte, in einem Kindergarten aufzutreten ... Na gut, das ist bei einem Helferfest in einer evangelischen Gemeinde mit Kindergarten (der Cyriakusgemeinde nämlich) vielleicht nicht ganz überraschend. Trotzdem: Ich mache erkennbar Erwachsenenprogramm, beleidige mein Publikum kreativ, rede über Newton'sche Physik, Teamwork und die mythologische Bedeutung von Spiegeln - und werde trotzdem gefragt, ob ich denn auch Kindergeburtstage bestreite. Das zeigt mir mal wieder, wie unklar die Regeln unserer Kunst der breiten Masse sind und welchen Stellenwert wir genießen. Ein Pianist, der soeben Chopin gegeben hat, wird nicht gefragt, ob er denn nicht mal Lust hat, auf der Kerb aufzutreten und ein Ballermann-Repertoire zu spielen.
Á propos Pianist: Aus Erfahrung klug geworden bestehe ich mittlerweile darauf, dass während meines Auftrittes keine Musik spielt - außer vielleicht sehr dezente, leise Fahrstuhlmusik. Das war auch für diesen Auftritt so vereinbart, denn ich lebe stark davon, mit meinem Publikum zu reden und auf mein Publikum einzugehen. Aber dann wird jemand angekündigt, der auf einem schönen, großen Konzertflügel allerlei pianiert: Boogie-Woogie, das eine oder andere von Billy Joel, ein wenig Pop, ein wenig Jazz - und alles schön laut. In dem frugalen, leeren, mit Linoleum ausgelegten Gemeindesaal aus den fünfziger Jahren hallt das alles sehr schön und ich muss gegen diese Kulisse fast schon anschreien. Das ist mir unangenehm, nicht zuletzt, weil es auch für den Pianisten sicher nicht schön ist, sich die Aufmerksamkeit mit einem anderen Künstler teilen zu müssen! Auch das scheint mir mal wieder ein Hinweis darauf zu sein, dass vielen Menschen die "Spielregeln der Zauberei" so wenig klar zu sein scheinen, dass selbst vorher getroffene Absprachen zu ihrer Klärung nicht helfen. Da ist guter Rat teuer ...

Samstag, 8. April 2017

25% Zuschauerzuwachs

(7. April 2017) "Interessant!" würde man heute wohl sagen oder vielleicht auch "Weißt Du: Wenn es Dir gefallen hat ..." wenn es um den open-stage-Abend in Christels Scheune geht. nach reiflicher Überlegung sage ich: Bizarr, absurd, dadaistisch! Das Photo zeigt das gesamte Publikum des Abends - jawohl, das gesamte Publikum! Also, zumindestens die Startbesetzung. Im Laufe des Abend gesellt sich noch eine weitere Dame hinzu: Ein Zuwachs von stolzen 25%! So weit, so irrelevant: Man geht zu einer offenen Bühne, weil man Dinge ausprobieren möchte und man erwartet kein riesiges Publikum. Also ist es dann eigentlich auch unwichtig, ob vier Leute im Publikum sitzen, oder 40. Ich jedenfalls habe mal wieder eine Variante eines Wayne-Dobson-Effektes gespielt, die sich ohne Publikum kaum richtig üben läßt und einen Anagram-Effekt von Christoph Borer ausprobiert - der nebenbei bemerkt sehr gut funktioniert hat und in mein festes Repertoire wandern wird. So weit also: Mission accomplished.
Aaaaber ... man erwartet auf einer offenen Bühne sicher auch Dinge, die ein wenig trashig sind, aber die Dame die mir nachfolgte auf der Bühne hatte dort so gar nichts zu suchen. Auf einer Bühne findet irgendeine Form der Unterhaltung statt, oder liege ich völlig falsch? Diese Dame jedoch berichtete aus einer umfangreichen A4-Kladde heraus in wirren Worten über eine Ägypten-Reise, die sie zur Künstlerin gemacht habe. Es geht um ein Projekt - oder ein Theaterstück - oder Kontakte zur ägyptischen Regierung - oder ein Musical - oder etwas das in alle Welt in die ägyptischen Botschaften übertragen wird - oder ein internationales Friedensprojekt - oder eine Wassermusik, die sie hat komponieren lassen, da Worte ihre Gedanken nicht korrekt wiederzugeben in der Lage sind - oder irgendetwas anderes: Ich habe keine Ahnung! Ich fand das ganze so unterhaltsam wie zwei Hände voll trockenen Katzenfutters. Wünsche aus dem Auditorium, dann doch mal Passagen aus dem Werk - was auch immer es denn sei - vorzutragen, auf dass man sich mal ein Bild machen könne, wovon denn die Rede ist, werden abgelehnt: Das trüge jetzt nicht zur Klärung bei - und bisher sei sie eigentlich immer gut verstanden worden, dass jetzt solche Nachfragen kämen sei neu für sie. Okay, habe ich verstanden: Ich bin einfach nur zu dumm. Damit kann ich leben.
Ich spiele als Zugabe eine neue Tuchnummer und bin's zufrieden - und ich bin um eine Erfahrung reicher.

Sonntag, 2. April 2017

Wenn zwei das Gleiche tun ...

(2. April 2017) ... dann ist das noch lange nicht dasselbe. So geht ein bekanntes Sprichwort. Aber selbst wenn einer das Gleiche tut, ist es noch lange nicht dasselbe. Ergibt keinen Sinn? Dann schauen Sie sich mal die folgenden Videos an:





Prinzip erkannt, oder? Die selben Mosaiksteinchen, ein ähnliches Bild - aber kein identisches! Sicher: Die Nummer bleibt immer erkennbar, aber die Vorfhrungen sind einander nicht identisch miteinander. Was muss der Mann für eine Routine haben mit dieser Routine, dass er in der Lage ist, die Teile so hin- und herzuschieben, sodass immer wieder etwas leicht Neues entsteht! So stelle ich es mir vor, wenn Musiker hunderte von Malen dieselben Songs spielen müssen: Sie arbeiten kleine Veränderungen ein, die das Musikstück nicht grundlegend verändern, aber auch für die Musiker selber interessant und frisch (was für ein Wortspiel ... ;-) ) halten.
Ich selber habe in den letzten Wochen und Monaten viel über "Thema und Variationen" in der Zauberei nachgedacht und glaube einige Parallelen zur Musik entdeckt zu haben, die es Wert sind untersucht zu werden. So gilt zum Beispiel in der Musik das ungeschriebene Gesetz, dass ein Musikstück nicht zu vorhersagbar, aber auch nicht zu unvorhersagbar sein darf. Es gibt da so einen Korridor zwischen totaler Ordnung und totalem Chaos in dem Musikstücke liegen müssen, damit sie "Hitpotential" haben. Das gilt übrigens für Bach und Beyoncé gleichermassen ...

Samstag, 25. Februar 2017

Ordnung im Chaos?

(25. Februar 2017) "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht." (Genesis, 1. Mose, 1. Kapitel; Lutherübersetzung; der Ausdruck "Tohuwabohu" kommt übrigens daher, denn die lateinische Umschrift des hebräischen Ausdrucks von "wüst und leer" lautet "tohu va vohu" - es sage keiner, dieses Blog diene nur der leichten Unterhaltung ... :-) ). Es hat also einen Gott gebraucht, um dieses erste Chaos zu ordnen. Das wirft die Frage auf: Muss es immer gleich ein Gott sein, damit die Ordnung in einem Chaos offenbar wird?
Wer mal den Kindermaskenball der Krätscher gesehen hat, wird zu der Erkenntnis gelangen: Ja! Ein heilloses Durcheinander von ca. 100 Kindern und ihren Eltern, Großeltern oder sonstigen Betreungspersonen, ein Wuseln, ein Schreien, ein Lachen, ein Tohuwabohu, wie es im Buche steht - und ich mittendrin als Überbrückungsprogramm. Das ist so lustig und stellenweise so weit von irgendwelchen Idealbedingungen entfernt, dass es schon wieder Spaß macht. Der Terminus "umringt" trifft es zum Beispiel schon gar nicht mehr: Wenn ich sie ließe, würden sich Kinder noch zwischen meine Arme drängen, um noch zwei Zentimeter näher dran zu sein. Die Konzentration des Publikums wird im Sekundentakt herausgefordert von tausend Dingen, die in der Halle gleichzeitig passieren. Und die Musik - die könnte ekletischer nicht sein! Neben den allfälligen Karnevalsschlagern, die man pro Kampagne so ca. 300 Mal hört, gab es auch urdeutsches Liedgut wie etwa "Oh du schöner Westerwald" - aber zum einem Techno-Beat von der Bontempi-Orgel.
Ich wage zu behaupten: Wer unter diesen Bedingungen zaubern kann, der kann auch unter Wasser mit auf dem Rücken zusammengebundenen Händen mit einem 20 Jahre alten Wirtshauskartenspiel zaubern ... Ich spiele mein mittlerweile kanonisches Programm für solche Anlässe, allerdings angreichert um eine für mich neue Tuchfärberoutine, die sehr gut funktioniert.

P.S.: Die Hälfte der Mädchen ist als Prinzessin verkleidet, die Jungs als Cowboy oder Supermann - Genderideologen wären wahrscheinlich vor Wut geplatzt. Überhaupt gibt es jede Menge Kostüme, von denen ich jetzt gelernt habe, dass sie politisch nicht korrekt sind: Mönche, Sträflinge, Haremsdamen, Hexen, Hippies, Meerjungfrauen und vieles andere mehr. Ich bin übrigens als Zauberer gegangen ...

Montag, 20. Februar 2017

Subtil geht anders

(18. Februar 2017) Alle Jahre wieder darf ich zum Kinder-Preismaskenball des MV Nordenstadt in Wiesbaden antreten - und das ist wirklich ein “darf”, denn das macht wirklich Spaß während einer Veranstaltung, die eher ein Kinderspielfest denn eine Karnevalssitzung ist, einen Zaubermarathon von sage und schreibe fünf Stunden hinzulegen. Das gibt einem die Gelegenheit, Nummern unter “Echtbedingungen” mehrfach zu wiederholen und die Reaktionen zu prüfen und ganz generell neue Sachen feinzuschleifen, denn das Publikum besteht sicher aus 200 Kindern und ihren Eltern. Becher-und-Ball-Nummer: Check; Kartentrick Eyephone 10: Check; Cups'n Balls: Na ja ...
Gut: Mein Stil ist ja üblicherweise von englischem Humor, Wortwitz  und Ironie geprägten - und das geht ein wenig verloren, wenn aus den Lautsprechern Lieder erklingen wie etwa:”Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad” - zu einem Techno-Beat! Dagegen anzusprechen und zu -brüllen hätte mich fast die Stimme gekostet, aber jetzt kann ich wenigstens authentisch Johnny Cash singen - is’ auch schön … Aber unter diesen Bedingungen transportiert sich nicht jede Subtilität und jede Pointe eines Sprechzauberers so ganz.
Besonders schön finde ich es, wenn Eltern ihre zunächst etwas schüchternen Sprößlinge nach vorne an meinen Tisch begleiten - und dann selber gemeinsam mit ihren Kindern hängenbleiben. Es war jedenfalls wieder ein Riesenspaß und ich hoffe, dass ich im nächsten Jahr wiederkommen darf!

P.S.: Ich habe bei der Sichtung der Photos festgestellt, dass mein Gesichtsausdruck nicht das ganze Ausmaß meiner Begeisterung und Freude transportiert ... ;-)

Samstag, 21. Januar 2017

Also, meine Frau sagt ja ...

(20. Januar 2017) ... es sei sehr unterhaltsam gewesen - und wer bin ich, dass ich meiner Frau widerspreche. Die Rede ist übrigens von der Veranstaltung "Lausig aber lustig: Die Zauberanfänger" des Magischen Zirkels Frankfurt die zu organisieren ich die Freude hatte. Hier gibt es den Link zur Webseite mit den näheren Erläuterung, worum es sich dabei genau gehandelt hat. Die Kurzfassung lautet: Mehrere Anwärter des Magischen Zirkels gehen in loser Folge auf die Bühne, spielen ein kurzes Programm von 15 bis 20 Minuten - und dann kommt der Nächste.
Man ist ja selber bekanntermaßen selten ein guter Kritiker der eigenen Werke und ich war mit der Durchführung der Veranstaltung so sehr beschäftigt, dass ich kein gutes Gespür dafür hatte, wie es denn so gelaufen ist. Mir oblag die Moderation der gesamten Veranstaltung und auf sehr, sehr kurzen Zuruf musste ich noch für einen Teilnehmer einspringen, der eines Trauerfalles in der Familie wegen nicht antreten konnte.
Ich sag's mal auf Bayrisch: Mir hom uns a Mordsgaudi g'hobt! Mit "mir" meine ich übrigens die Künstler und mich.
Aber das ist ja nur der eine Teil, bekanntlich muss ja der Wurm dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Alle Stimmen, die ich gehört habe, weisen aber darauf hin, dass auch an der Ecke alles stimmt: Die Reaktionen waren allesamt sehr positiv, stellenweise sogar enthusiatisch. Es ist mir Worten nicht zu sagen, wieviel Spaß es macht, den Leuten Spaß zu bereiten! Ehre wem Ehre gebührt: Die Organisation eines solchen Events ist das eine, aber die wesentliche Rolle haben natürlich die Zauberkollegen gespielt - und da ist der eine oder andere über sich hinausgewachsen. So hat zum Beispiel ein Spanier zum ersten Mal in seinem Leben eine Nummer auf Deutsch gespielt - und die Nummer war große Klasse!

P.S.: Auf dem Photo esse ich keine Wurst und ich rauche auch keinen Zigarillo, sondern habe nur die Kappe eines Stiftes im Mund während ich eine Spielkarte beschrifte ...

Sonntag, 8. Januar 2017

Wenn's läuft, dann läuft's!

(7. Januar 2017) Das neue Jahr fängt gut an, sehr gut! Nämlich mit einem Privatauftritt anläßlich des 70. Geburtstags einer sehr netten Dame - die eine Ihrem Nettigkeitsgrad angemessene Festgesellschaft um sich versammelt hat. Die ist nicht groß, diese Gesellschaft, aber die wollen sich unterhalten lassen!
Ich habe schon mehrfach bemerkt, wie schwierig es ist, zu Zaubern, wenn das Publikum nicht auf Zaubern eingestellt ist, aber umgekehrt wird auch ein Schuh draus: Wenn Zaubern auf die Tagesordnung paßt, dann geht die Post ab! Quasi die Umkehrung des Zitats des berühmten Fußballfeingeistes Andreas Brehme:"Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß!".
Ich habe die besagte Substanz weder an den Füßen noch an den Fingern - und die Sache läuft! Neue Nummern, alte Nummern, alles geht. Leute stehen auf und folgen mir an das andere Ende des großen Tisches, die Kinder drängen sich - wie immer - auf 2cm heran und es wird applaudiert und gelacht dass es eine Freude ist. Ich habe so viele Visitenkarten verteilt, wie kaum jemals zuvor und nach Ende der Vorstellung kommen viele Leute, die erklären, sie hätten sich gut unterhalten gefühlt.
So, jetzt muß mal was richtig daneben gehen, damit ich nicht größenwahnsinnig werde ... 😉

Ein Satz mit X ...