Sonntag, 25. Juni 2017

Zwei von dreien versaut

Sonnenschutz wegen schadhafter Lockenpracht
(24. Juni 2017) Zum Sommerfest des TSV Berkersheim, dessen Vorsitzender ich bin, muss ich natürlich etliche Beiträge liefern: Bänke schleppen, Getränke bestellen, Zelt aufbauen, Gäste begrüßen, Preislisten aufhängen - und zaubern. Ich habe mich dieses Mal für ein kleines, kurzes Programm auf Halbdistanz entschieden und dafür, Nummern zu spielen, die ich bereits gut kenne (Echo von Wayne Dobson und eine dreifache Kartenvorhersage). Wie üblich mache ich mich über meine mangelnden Mentalistenfähigkeiten lustig und interpretiere die Nummern dergestalt um, dass nicht ich die Vorhersagen mache oder zaubere, sondern die Zuschauer.
Wie üblich gibt es eine Menge Ironie und Sarkasmus und die kreative Publikumsbeleidigung.
Obwohl ich die Nummern gut kenne und bereits mehrfach gespielt habe, versaue ich zwei von dreien! In beiden Fällen gelingt es mir, die Fehlleistung so zu kaschieren, dass es wohl nicht aufgefallen ist, denn hinterher bekomme ich eine Menge Zuspruch und positive Rückmeldungen - auch von Zuschauern, die ich nicht im Verdacht habe, mir unnötig schmeicheln zu wollen ... ;-)
Aber ich ärgere mich über mich selber: Nicht genug geübt? Einfach mal Pech gehabt? Mich zu sicher gefühlt? Ich weiß es nicht, aber ich bin da unter meinen Möglichkeiten geblieben. Na gut: Wieder aufstehen, Staub abschütteln, Krone zurechtrücken, nächstes Mal besser machen ...
Es ist schon kurios, wie sehr Fremdwahrnehmung und Eigenwahrnehmung auseinander gehen können: Einmal stümpert man irgendwas hin und wird gefeiert, ein anderes Mal zaubert man gefühlt auf dem Niveau von Copperfield und erntet lauwarme Mißachtung. Man sollte meinen, dass man mit der Zeit ein Gefühl dafür entwickelt, was wem wann wie gut gefällt.
Die dritte Nummer ist nebenbeibemerkt ein magisches Quadrat auf der Basis einer "mental" ermittelten Zuschauerzahl, und obwohl ich das zum ersten Mal spiele, funktioniert es richtig gut: That's a keeper!

Sonntag, 11. Juni 2017

Pause, Pause und Pause

(10. Juni 2017) Das Hoffest der Fidelen Eckenheimer ist gut besucht, sehr gut sogar. Dazu mag das hervorragende Wetter seinen Teil beigetragen haben, aber Kaffee und Kuchen gehen immer, insbesondere wenn noch ein bischen Bier und Äppler "un e besje Bebabbel mit de Leut" dabei ist: Nichts dagegen einzuwenden.
Mir hat es nicht gefallen. Für mich war die Veranstaltung eine Prüfung, eine Prüfung meiner Geduld. Denn den wesentlichen Teil des Nachmittages nimmt die Ziehung einer schier endlosen Anzahl von Tombolapreisen ein. Ich bin mit table hopping immer nur in den Pausen dieser Preisvergabe dran - und so eine Verlosungsrunde kann schon mal 40 Minuten dauern. Während dieser Zeit sitze ich rum. Das ist im Prinzip in Ordnung, denn es ist im Prinzip so vereinbart, aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass die Pause so lang sein würden. Nun bin ich von der Einsicht in die eigene Bedeutungslosigkeit vollständig durchdrungen: Zauberer sind, wenn sie nicht grade David Copperfield, Penn & Teller oder Tommy Wonder heissen, immer Beiwerk, immer Schmuck am Nachthemd. Aber ich wäre während der Veranstaltung gerne ein paar Minuten länger bedeutungslos gewesen, so viel Eitelkeit habe ich dann doch in mir. Immerhin war ich fast fünf Stunden vor Ort ...
Was den Auftritt als solches angeht, so hat er nach meinem Eindruck gut funktioniert: Es kristallisiert sich immer mehr heraus, welche Teile meines close-up-Programms für table hopping taugen - und welche nicht. Erstaunlich wie genau man nach einigen Vorführungen mitbekommt, wohin die Zuschauer blicken, wo die misdirection funktioniert - und wo nicht! Das macht natürlich die Routine, die ein paar Synapsen im Hirn freigespielt hat, die sich nicht auf "Jetzt bloß nicht auf die eigenen Hände schauen!" oder "So, welche Phase kam jetzt noch mal?" oder "Bloß den nächsten Griff nicht verkacken!" konzentrieren müssen - und können dann die Zuschauer beobachten. Meine freien Synapsen haben zum Beispiel erkannt, dass es in der Ring'-n-String-Routine einen Moment gibt, an dem die misdirection immer noch nicht gut genug ist: Zurück vor den Übungsspiegel ...

P.S.: Die einzige, auf dem Photo nicht unkenntlich gemachte Person ist eine unserer Bundestagsabgeordneten, nämlich Uli Nissen. Die ist eine Person des öffentlichen Interesses und kann sich demzufolge nicht dagegen wehren, abgelichtet zu werden - und damit zuzugeben, dass Sie mir interessiert zugeschaut hat ... ;-)

Ein Satz mit X ...