Sonntag, 17. September 2017

Kinder und Bedienungen

Nahkampfzaubern
(16. September 2017) Hat Spaß gemacht! Eine wirklich schöne Feier eines runden Geburtstages und ich mittendrin als kleines Unterhaltungs-amuse-bouche. Die Bedingungen sind zwar nicht ideal, denn es ist picke-packe-voll, die Gäste sitzen dicht gedrängt und hin und wieder bekomme ich einen Ellenbogen in den Rücken gerammt, aber die gut gelaunte Festgesellschaft macht das locker wieder wett. Man ist gelöster Stimmung, man ist wild entschlossen, sich zu unterhalten und sich unterhalten zu lassen - und das ist nicht nur die halbe, das ist die ganze Miete! Wenn die Menschen nicht auf Unterhaltung und nicht auf Zaubern eingestellt sind, dann kann man 12 Elefanten erscheinen und wieder verschwinden lassen und wird trotzdem nur die Bemerkung ernten, dass da ja schon viel Schönes dabeigewesen sei.  Aber wie gesagt ist die Geburtstagsfestgesellschaft aufgeräumter Stimmung - und es spielt keine Musik - und so wage ich es, einige meiner eher wortlastigen Nummern zu spielen, bei denen ich den Naturwissenschaftler, den Bildungsbürger und arroganten Schnösel raushängen lasse. Besonderen Spaß macht es mir, an jedem Tisch einen Karteneffekt zu spielen, der so gar nichts mit dem zu tun hat, was die meisten Leute unter einem "Kartentrick" verstehen (für die Zauberer unter meinen Lesern: ACR, Neither blind nor stupid, Sudden Deck, Presto Printo, Out of this world, ...).
So, jetzt zur Überschrift: Es gibt in der Festgesellschaft ein etwa fünf Jahre altes Kind und es wuselt eine Bedienung im Lokal herum - und beiden ist meine Kunst von Herzen egal. Die Bedienung fragt beherzt mitten in die Nummern hinein, ob's denn noch ein Bier oder etwas Senf zur Worscht sein darf. Da macht es dann hörbar "Knack" - das war der Spannungsbogen, den es erwischt hat. Das erlebe ich nicht zum ersten Mal in einem Restaurant, dass das Bedienpersonal offensichtlich überhaupt kein Sensorium dafür hat, dass solche Unterbrechungen fast nicht zu überspielen sind. Ich bin davon überzeugt, dass das nicht böse gemeint ist, genausowenig wie es das Kind böse meint, wenn es sich die Aufmerksamkeit der Erwachsenen holt, indem es grade mit einer Sofortbildkamera geschossene Photos rumzeigt. Blöd nur, wenn man grade dann mit dem einzigen Effekt des Abends in der Gegend rumsteht, der etwas winkelanfällig ist und man es gerne an den Punkt bringen würde, wo diese Winkelanfälligkeit aufgehoben wird!
So, was "gegen Kinder" zu sagen hat ja das Potential, einen shit storm auszulösen, also setze ich mir jetzt mal meinen Stahlhelm auf und hebe mir einen Graben aus ...