Montag, 16. September 2019

Küchengeräte, Intelligenz und ein grandioser Auftritt

Doch, doch, auch so kann intelligente Unterhaltung
aussehen: Der Gedankenbeeinflusser ...
(14. September 2019) Mein selbst gewähltes Motto lautet "Intelligente Unterhaltung" (siehe zum Beispiel meine andere Webseite) und ich lege Wert darauf, dass meine Zaubernummern ersten einen Vortrag haben und dieser Vortrag zweitens nicht (nur) deskriptiv ist ("hier habe ich einen Ball, dieser Ball verschwindet nun, ..."). Viele meiner Nummern brauchen den Vortrag und sie leben erst durch ihn wirklich - und ich hoffe, dass der Vortrag manchmal wirklich zum Nachdenken anregt. Ob ich meinem selbst gewählten Anspruch immer gerecht werde, ist eine andere Frage, aber es gilt ja bekanntlich: Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen.
In meinem letzten Blog-Beitrag (hier) habe ich damit gehadert, dass ich einen Auftritt absolviert habe, mit dem ich nicht recht glücklich war, der aber scheinbar dem Publikum ganz gut gefallen hat - und anlässlich dessen habe ich mich gefragt, ob das dann nicht recht eigentlich auch in Ordnung ist.
Je nun: Am zurückliegenden Wochenende hatte ich das Vergnügen, auf der Geburtstagsfeier einer guten Freundin der Familie auftreten zu dürfen - und verdammt noch mal: Hat das Spaß gemacht! Ich habe ein paar Nummern auf Halbdistanz gespielt und weil es so schön war hinterher noch ein, zwei Sachen am Tisch. Es hat einfach alles gestimmt: Das Publikum hat alle Gags mitbekommen, ist mitgegangen, hat sich köstlich amüsiert und hörbar gestaunt, hat an den richtigen Stellen reingeblökt (und ich habe zurück geblökt), es floss das eine problem- und nahtlos in das andere: Es war für alle einfach nur schön und entspannt! Wenn ich mich ehrlich befrage, will ich eigentlich nur noch solche Auftritte machen und als Amateur kann ich mir das eigentlich ja frei aussuchen, ... , aaaaber ...
Wer mich kennt, der weiß, dass ich im vorpolitischen Raum ziemlich engagiert war und bin: Was tun, wenn ich von Vereinen oder Gemeinden angefragt werde, ob ich bei diesem oder jenen Straßenfest/Sommerfest/Weihnachtsfeier auftreten könnte? Ich muss da noch mal in mich gehen, diese beiden so sehr unterschiedlichen Auftritte in kurzer Folge haben mich da ziemlich nachdenklich und schwankend gemacht ...

Sonntag, 8. September 2019

Das rote Pferd kann mich mal!

(7. September 2019) Eben noch sitze ich auf dem Sofa und lese Bücher von Tommy Wonder und Tom Stone, zwei absoluten Koryphäen der Zauberkunst, die sich sehr tiefgehende Gedanken über's Zaubern gemacht haben, über Ablenkung, über die verschiedenen Bedeutungsebenen des Zaubers, über die "Philosophie" hinter all dem.
Dann stehe ich auf dem Eckenheimer Stadtteilfest unter einem nur notdürftig regensicheren Pavillon, alles ist ein wenig klamm und so richtig angenehm warm ist es auch nicht. Mich umringt ein Haufen schreiender Kinder und aus dem Lautsprecher dröhnt der Party- und Karnevalsschlager "Das rote Pferd" - zum vierten Mal an diesem Nachmittag, es werden gefühlt weitere 10 Aufführungen dieses Liedes folgen das einen jeweils einen IQ-Punkt kostet, nur so vom Hören.
Kleiner Einschub: Das rote Pferd bringt mich regelmäßig auf die Palme und zwar nach ganz oben! Die Melodie des Liedes geht auf den Chanson "Mylord" von Édith Piaf zurück und wenn man das weiß, kann man das Lied nicht mehr hören, ohne angesichts der Profanierung dieses Kleinods wütend zu werden. Ich habe mich ja daran gewöhnt, dass sich die Texte von Party- und Karnevalsschlagern auf dem intellektuellen Niveau von Karotten bewegen - und ich hoffe, ich trete damit den Karotten nicht zu nahe. Aber muss es denn unbedingt Mylord im Bum-bum-Rhythmus sein? Ich fürchte, ich kenne die Antwort ...
Zurück zu den - sagen wir mal: Nicht ganz perfekten Auftrittsbedingungen, zu den Umständen, die so gar nicht zu den schönen, wahren und guten Gedanken der vorgenannten Herren passen. Warum mache ich das, habe ich mich gefragt, denn das Schicksal ist ja ein ganz und gar selbst gewähltes: Ich muss das nicht machen. Aber ich bekomme regelmäßig gute Kritiken für meine Auftritte von den Zuschauern  und den "Auftraggebern". Ja, mag sein dass diese Menschen die feinen Details der Wonder'schen und Stone'schen Zauberkunst nicht kennen und nicht würdigen können - weil meine Schwammballnummer diese feinen Details auch nicht transportiert. Und auch die anderen Nummern nicht, die alle zwei Vorteile haben: Sie funktionieren auch für ein Publikum das die Aufmerksamkeitsspanne einer Stubenfliege hat und es ist nicht allzuviel feingeistige Plauderei gegen laute Musik nötig.
Wenn das dem Publikum gefällt, hat es vielleicht doch seine Daseins-Berechtigung. Und auch wenn das ganz kleines Karo ist, so ist doch auch unter diesen Bedingungen und Umständen schön, Menschen verblüffen und damit unterhalten zu können.

P.S.:
Für alle Zauber-Freunde und -Freundinnen, die das hier lesen: Ich finde ja, dass das eine karitative Komponente hat was ich mache. Ich bediene solche Veranstaltungen, dann müsst ihr es nicht machen ... ;-)

Samstag, 27. Juli 2019

Die Kammer ist ein Palast

(20. Juli 2019) So, das hat jetzt gedauert bis ich diesen Blog-Eintrag hingebracht habe. Ich habe mich damit gequält und tue das, während ich hier schreibe, immer noch. Denn ich bin mit sehr hohen Erwartungen nach New York gefahren, unter anderem, um Steve Cohen (www.chambermagic.com) zu sehen: Er war mir wärmstens empfohlen worden. Nicht dass ich ihn nicht selbst auf der Rechnung gehabt hätte, aber so eine Bestätigung ist natürlich auch ganz schön. Vielleicht kamen zu diesen hohen Erwartungen, das extrem nette Ambiente und der Preis von schlappen 300$ (für zwei Personen), die dafür gesorgt haben, dass der tatsächliche Eindruck letztlich, naja, sagen wir mal: etwas hinter der Erwartung zurückgeblieben ist.
Aber die Fakten zuerst: Steven Cohen hat sich einen Ruf als The Millionaires' Magician erarbeitet, weil er unter anderem viel von gut betuchten Leuten und Prominenten gebucht wird: Also, irgendwas muss der Mann richtig machen und davor habe ich großen Respekt. Nach ein paar Jahren als Hauskünstler im Waldorf Astoria Hotel (das im Moment in einen Apartment-Komplex umgebaut wird), musste er in das Lotte New York Palace (www.lottenypalace.com) umziehen, ein Hotel das auch nicht grade eine drittklassige Absteige ist. Das Ambiente ist genauso gediegen, wie das Bühnenkostüm des Herrn Cohen und die Kleidung der Zuschauer, denn die werden auf der Webseite und im Buchungsprozess gefühlte 27 Mal gebeten, aufgefordert und angehalten in Abendgarderobe zu erscheinen. Man sitzt in kleiner Runde - nicht mehr als 40 Leute - und man sitzt nah dran, es ist eine Mischung aus parlour- und close-up-Zauberei.
Und die - die Zauberei - ist solide. Eine Mischung aus klassischer sleight-of-hand-Zauberei und Mentalmagie. Natürlich spielt Herr Cohen Any drink called for - mehrere Zuschauer wählen frei ein Getränk aus und die gewünschten Getränke werden nacheinander aus ein- und demselben Teekessel ausgeschenkt - aber auch so Dinge wie eine Ringverkettung und ein bischen Münzzauberei sind im Programm. Das ist alles sehr gut und flott choreographiert und man merkt die unglaubliche Routine (wenn zum Beispiel der Name "Jasmin" gedanken-zu-lesen ist und Herr Cohen Charlie Parker, Louis Armstrong, Thelonius Monk und weitere Jazz-men herunterrattert - was gemerkt? - Jasmin, Jazz-men?).
So weit, so gut, aber ... Die meisten Kunststücke kann man so oder so ähnlich auch woanders sehen. Das mindert nicht á priori ihren Wert, aber vielleicht hatte ich lauter Nicht-Standard-Sachen wie Any drink called for erwartet und bin an meinen eigenen Erwartungen gescheitert. Wahrscheinlich bin ich sowieso eine arrogante Sau, dass ich mir als kleiner Amateur anmaße, einen renommierten Künstler wie Steve Cohen zu "rezensieren", und so ist dann dieser Blog-Beitrag zu lesen: Bitte selber hingehen und eine eigene Meinung bilden. Meine Frau war begeistert!
Möglicherweise hat mich auch die Lektüre seines Buches "Win the Crowd: Unlock the Secrets of Influence, Charisma, and Showmanship" beeinflusst. In diesem Buch versucht Herr Cohen darzulegen, dass er als Zauberer Methoden für seine Kunst verwendet, die "normalen" Menschen im Umgang mit anderen Menschen im Alltag helfen können. In diesem Bereich traue ich mich eher ein Urteil abzugeben, da ich hier über eigenes Wissen und eigene Erkenntnisse verfüge: Der Versuch misslingt. Einem umfangreichen Kapitel, in dem Herr Cohen ankündigt, was er zu zeigen gedenkt, folgen etliche Kapitel mit Ratschlägen und Übungen für den Umgang mit Menschen, die sich auf zwei Kernaussagen zurückführen lassen: "Einfach mal mutig sein und was probieren" und "Üben, üben, üben". Das ist ein bischen trivial und ein bischen "Tschacka - Du schaffst das!"-Denke. Gewogen und für zu leicht befunden ...

Dienstag, 9. Juli 2019

No pro - and yet happy ...

(06. Juli 2019) I have said it time and again: I am not a pro - never have been, never will be. Not as far as magic is concerned, anyways. I have come to the realisation that one of the consequences of that is: I cannot reliably predict how well my "stuff" goes down with my audience, simply because I don't perform the "stuff" often enough for different people to tweak it to every eventuality, to be able to adapt it on the fly to any kind of audience, to have a witty remark in any situation. What that means is this: My highs are very high, my lows are very low.
Why the bl00d$ he|| didn't they laugh at that punchline? Why are they chatting in the background? Why are they looking where they are not supposed to look? Should I have practiced more often? Should I have practiced differently? And my dear audience: Don't believe for second that I don't notice that you were not amused.
On the other hand: If it works, it's absolutely exhilarating! In the day and age of such things as TV, Youtube, Lady Gaga, fireworks, Monster trucks, opera, Disneyland, adventure swimming pools and chartered accountants yearly meetings you entertain people with nothing but a few playing cards, coins or plastic paddles! You do stuff right under their noses that baffles them and that makes laugh and think and talk. How cool is that?
Last Saturday it was way cool for me, because it was a very high high at the BBQ of a very dear former colleague of mine from work, a German Lady of Indian decent who always invites a very illustrious mix of people, many of which are of Indian decent themselves. And if you had asked yourself why this blog-post is in English, there you have got the answer. Also, her mother was there. What can I say: It was a blast! Everyone was willing to be entertained, people cheered and laughed - and heckled me in the best and nicest possible way - which is what close-up magic is all about in my mind. Nowhere is the contact with the audience that immediate and direct and that's what I love about it.
I don't know, maybe for pros not having the low lows makes the high highs less shiny, less exciting. I for one are very happy in my little corner of the magic world ...

Sonntag, 16. Juni 2019

Die Bühne, die nicht die Welt bedeutet


(15. Juni 2019) Ja, weiß ich: Das Video sieht aus, als wäre es mit einer Kartoffel gedreht worden und der Ton klingt, wie vom Boden eines Blecheimers aus aufgenommen. Aber mit Bordmitteln - vulgo: Handy - ist das nun mal das Beste, was geht. Außerdem sind wir im Zeitalter des Internets und der sozialen Medien, da ist "schlecht" das neue "gut" - wer es sich nicht ansehen möchte, muss es ja nicht.


Mein Arbeitgeber hatte zum Sommerfest geladen und nachdem die Einladung vor ein paar Wochen rumkam, habe ich dem Vergnügungsausschuss meine Dienste angeboten. Ich habe mich breitschlagen lassen, einen Bühnenauftritt zu machen, was ja normalerweise nicht so mein Ding ist und ich habe mich breitschlagen lassen, den Auftritt in Englisch zu machen, was in der Rückschau Blödsinn war, denn die Mehrheit des Publikums war dann doch des Deutschen eher mächtig, als des Englischen. Gut, hinterher habe ich dann noch ein bischen close-up an den Tischen gespielt und das hat dann richtig Spaß gemacht.
Zum wiederholten Male, aber diesmal besonders ausgeprägt, ist mir aufgefallen, wie sehr es Menschen aus der Bahn wirft, andere Menschen außerhalb der Schublade zu sehen, in die sie sie einsortiert hatten. Natürlich kennen mich viele Kolleginnen und Kollegen in meinem "natürlichen, beruflichen Habitat" des Bid Managers und Deal Shapers - und es wirft sie völlig aus der Bahn, dass der Karsten auch noch was anderes kann und was anderes macht. Insbesondere Ingenieuren und Naturwissenschaftler unterstellt man Phantasielosigkeit und einen Mangel an Kreativität: An die Dritte Kultur glaubt die Allgemeinheit nicht, die Zeit ist mein Zeuge.

Sonntag, 17. März 2019

Ich bin ein Profiteur

(10. März 2019) Ich schrub - oder heisst es "schreibte"? - es schon mehrfach, dass in bezug auf Zauberer gilt: Der Profi zeigt immer anderen Leuten immer dieselben Effekte, der Amateur immer denselben Leuten andere Effekte. Ich habe langsam das Gefühl, dass ich immer denselben Leuten immer dieselben Effekte zeige. Also bin ich eine Mischung aus Profi und Amateur, also ein Profiteur.
Meine Verwandtschaft muss im Großen und Ganzen alle meine Effekte schon mal gesehen haben, aber das Vergessen scheint nicht nur der beste Freund des Tanzlehrers, sondern auch des Zauberers zu sein. So feiert denn meine weitere Verwandschaft anläßlich des 80sten Geburtstags meiner Schwiegereltern meine Kunst und ich bin's zufrieden.

Sonntag, 24. Februar 2019

"Amalie geht mit 'nem Gummikavalier ...

(23. Februar 2019) ... , mit 'nem Gummikavalier ins Bad. Und sie pustet und sie bläst ihn auf geschwinde, an der Nordsee, Ostesee, Wannsee, Swinemünde." Ja, es gibt tatsächlich ein Lied mit diesem Text; ein sogenannter Badesaison-Schlager aus dem Jahre 1927. Eines meiner absoluten Lieblingsorchester, das Palastorchester mit seinem Sänger Max Raabe, hat das Ding tatsächlich immer noch im Programm, wie ich unlängst wieder in einem Konzert der Kapelle feststellen konnte (hier findet sich eine Aufnahme auf Youtube und hier tatsächlich ein Eintrag in Wikipedia).
Warum ich das hier schreibe? Weil ich mich grade noch rechtzeitig an dieses Lied erinnert habe, just als ich im Begriffe war, mich über das Lied "E-O, es geht immer nur E-O, einfach immer nur E-O, E-O, und alle Hände hoch E-O ..." aufzuregen. Dieses und ähnliche Machwerke mußte ich mir nämlich angelegentlich des Kindermaskenballs des Musikvereins Nordenstadt anhören, und während ich so vor mich hin dachte: "Oh Gott, das kostet Dich wieder 10 IQ-Punkte ...", fiel mir die Amalie wieder ein - mit der man jetzt auch nicht unbedingt einen Lyrikpreis gewinnen würde.
How-auch-ever: Ich stehe wie jedes Jahr mitten im Sturm des Kindermaskenballs des besagten Vereines, von links Helene Fischers "Atemlos" als Techno-Version in der Lautstärke eines startenden Düsenjägers, von rechts das permanente Alarmgebimmel eines Geschicklichkeitsspiels dessen Sinn - eben diesen Alarm nicht auszulösen - sich dem Publikum nicht so recht zu erschließen scheint, von überall das frenetische Geschrei von ca. 500 Kindern.
Gott sei Dank habe ich aus dem Problemen der Vergangenheit gelernt (ich hab's grade mal nachgeschaut: ich war jetzt zum sechsten Mal dabei) und habe mir eine etwas größere Lautsprecheranlage zugelegt und so gehe ich zwar halb-taub, aber wenigstens nicht heiser nach vier Stunden wieder nach Hause.
Aber was soll's: Immer wieder kommen Kinder an den Tisch und sagen so Dinge wie: "Das war toll!" und man ist wieder mit der Welt versöhnt. Der absolute Knaller aber ist eine junge Dame, die als Kaninchen im Zylinder verkleidet ist! Harry Potters, Hexen, Zauberer und derlei Kostüme sind ja weithin verbreitet, aber so was Niedliches habe ich noch nie gesehen!

Küchengeräte, Intelligenz und ein grandioser Auftritt

Doch, doch, auch so kann intelligente Unterhaltung aussehen: Der Gedankenbeeinflusser ... (14. September 2019) Mein selbst gewähltes Mot...