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Was ist Unterhaltung?

(23. September 2017) Eine komische und viel zu philosophische Frage für einen eigentlich so heiteren Anlaß wie die Heirat meines Schwagers, oder? Denn zum Fest zur Feier eben dessen bin ich durch die beiden Frischvermählten gebeten, ein wenig table-zu-hoppen: Ihr Wunsch ist mir Befehl. So weit, so unspektakulär. Ich spiele das, was mittlerweile mein Standard-Programm für solche Anlässe geworden ist: Schwammbälle, mouthcoils für die noch wache und überdrehte Jugend, ambitious card, ring'n'string, cut'n restored rope - alles was schnell auf den Punkt kommt, auch von der anderen Seite des Tisches noch gut zu sehen ist und nicht kiloweise Ausrüstung braucht. Erwähnenwert ist nur, dass ich zweimal meine Becher-und-Ball-Nummer zu spielen versuche und beide Male an Gästen scheitere, die - offenbar beflügelt durch den hastigen Genuß eines oder zweier Gläser Rhein-Weines zuviel - beherzt in die Nummer reingrapschen. Bevor sie der Nummer dauerhaften Schaden zufügen kann ich jeweils die Nummer zu einen vorzeitigen Ende führen. Wieder was gelernt.
Jetzt aber zur Unterhaltung: Ich bin nicht der einzige darstellende Künstler unter den Gästen, der die Veranstaltung heimsucht. Es gibt eine erhebliche Fraktion von Clowns, die es sich nicht nehmen lassen, zwei Nummern zu spielen. Jetzt habe ich seit gestern viel darüber nachgedacht, wie ich meine Meinung zum Dargebotenen in freundliche oder wenigstens lustige Worte fasse: Es fällt mir nichts ein. Ich fand die beiden Nummern tod-sterbens-langweilig, so, jetzt ist es raus ... Ich fand das Vorgestellte banal, sehr Slapstick-lastig (Teller fallen zu Boden, Kleidungsstücke rutschen, ...) und generell un-lustig. Groteske Verkleidungen, schiefes Singen und rote Nasen sollen offensichtlich signalisieren: Hier wird's lustig. Wird es für mich aber nicht. Und noch während die Nummern laufen, frage ich mich, was denn nun"unterhaltsam" ist. Ich habe noch keine vollständige Theorie der Unterhaltung (sobald ich die habe, schreibe ich ein Buch, werde berühmt und reich und setzte mich zur Ruhe), aber ich kann folgende drei Faktoren bereits jetzt benennen:

  • Tempo
  • Überrraschung
  • Relevanz

Ich hasse es, wenn eine Idee, die ich lange verstanden habe, endlos ausgewalzt wird, genauso wie ich es hasse, wenn Abläufe absehbar sind. Schlußendlich ist für mich immer die Frage: Was bedeutet das für mich, welche Anknüpfungspunkte gibts da für mich? Man muss das nicht überhöhen, es soll schließlich leichte Unterhaltung bleiben, aber so sieht's nun mal für mich aus.
Es verstehe mich niemand falsch: Ich habe groẞen Respekt davor, dass Menschen ihre Freizeit dafür einsetzen, anderen eine Freude zu machen, aber ich hoffe, dass mich mal bei Gelegenheit jemand beiseite nimmt und sagt: "Karsten, da war schon viel Schönes dabei, aber ...".

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