Freitag, 4. Mai 2018

Strafanstalt, Gefängnis, Bau, Bunker, Karzer, Kittchen, Knast oder Zuchthaus

(03. Mai 2018) Es ist so, wie ich es erwartet habe - und ganz anders. Es sieht so aus, wie es mir vorgestellt habe - und ganz anders. Es läuft so, wie es mir erhofft hatte - und ganz anders.
Ja, mit drei Kollegen vom Magischen Zirkel Frankfurt (Andreas Fleckenstein, Harry Keaton und Amedeo Velluso) gehen wir "hinter Gitter" in die JVA Darmstadt (die nach Fritz Bauer benannte, nicht Weiterstadt) und alle Türen sind verschlossen und alle Fenster vergittert, aber als wir eintrudeln, wird bei Kaiserwetter draußen Fuß- und Basketball gespielt - und wenn man nicht so genau hinschaut, könnte man denken, man sei in einer Kaserne. Alle Insassen tragen mehr oder minder einheitliche Kleidung, die aber nichts mit der stereotypischen Gefägniskluft zu tun hat, die man gerne mal im Fernsehen sieht. Der Auftritt im Rahmen der Aktion "Kunst hinter Mauern", initiiert vom "Verein Kunst und Literatur für Gefangene e.V." ist einfach ein Riesenspaß und das Publikum geht mit, dass es eine Freude ist (s.u.). Die Insassen bieten bereitwillig an, beim Aufbau zu helfen, offenbar froh über jede Abwechslung, sei sie auch noch so klein, sie sind freundlich und höflich.
Aber ich vergesse keine Sekunde wo ich bin und dass ich nach Ende der Veranstaltung wieder nach Hause gehen kann, unser Publikum aber nicht. Wie spielen unseren Auftritt in der Sporthalle und der Sportvereinsvorsitzende in mir registriert sofort: Volles Basketballfeld, toll ausgestattete Muckibude und Laufbänder, eins am anderen. Der Otto-Normalverbraucher in mir registriert: Selbst die analoge Hallenuhr ist mit einer Plexiglasscheibe abgedeckt und die ist mit einem Schloß gesichert - wahrscheinlich weil die Zeiger der Uhr spitz und scharf und aus Metall sind.
Das Publikum ist circa 60 Leute stark und reagiert - sagen wir es mal so: Nicht ganz so reserviert, wie wir das häufig gewohnt sind. Man überschreit sich gegenseitig mit Sprüchen und Pointen und hin und wieder wirft jemand nach einem besonders beindruckenden Effekt ein "Scheiße!" in den Raum - und nach einer Stunde ist alles vorbei. Zusammenräumen, kurze Manöverkritik unter uns, draußen schnell noch das Selfie geschossen (drinnen sind Handies nicht gestattet) und dann war's das. Ich gestehe: Ich merke am Abend, dass mich das beeindruckt hat, dass es nicht spurlos an mir vorüber gegangen ist!

Meine Frau merkt an - und wo sie Recht hat, hat sie Recht: Ohne Mitglied im Magischen Zirkel zu sein, kommt man an solche Auftritte nicht ran - und das war wohl bisher mein ungewöhnlichster Auftritt ...

Es kocht ...