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Ich bin ein Nerd!

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(14. September 2017) Natürlich bin ich das: Ich gebe viel Geld für einen runden Holzstab aus, nur weil irgendjemand "Zauberstab" dranschreibt und ich lege mir noch mal eine zusätzliche 12er-Packung von den extra-teuren, amerikanischen Spielkarten ins Regal (neben die andere, ungeöffnete 12er-Packung derselben Karten) - man weiß ja nie. Wir nennen so eine 12er-Packung übrigens "brick", David Copperfield und ich.
Zu seiner vollen Blüte und schönsten Entfaltung gelangt dieses Nerd-tum bei uns Zauberern während der sogenannten Zauberkongresse. Die haben im engeren Sinne natürlich nichts mit  wissenschaftlichen Kongressen zu tun, sind aber für alle, die sich mit dem Zaubervirus infiziert haben, ein absolutes Paradies für einen Tag. Da sind zum einen die Vorträge der Kollegen, die sich professionell mit der Zauberei beschäftigen und die ihr Wissen weitergeben und zum anderen die Stände der Händler, die diverse Utensilien verkaufen. Man glaubt es kaum: Jedes Jahr wird de…

Leer

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(24. September 2017) Diejenigen meiner Leser, die wissen, dass ich ein gebürtiger Ostfriese bin, könnten vermuten, dass der Titel die gleichnamige Stadt in Ostfriesland meint. Ist aber nicht so. Er bezeichnet in der Tat den Füllstand meines Publikums anläßlich der Gemeindefeier in unserer lokalen Kirchengemeinde. Das Photo ist eine getreue Wiedergabe der Situation, wie sie den größten Teil der Zeit war. Das ist mir auch noch nicht passiert! Gut, ich muss zugeben, dass ich mit der Plazierung im Obergeschoss im erweiterten Treppenhaus zufrieden war, weil ich davon ausgegangen war, dass sich das Publikum schon durch das Haus bewegen würde. War aber nicht so. Unten im Saal gab es Kaffee und Kuchen und das geht ja bekanntlich immer: Wann bekommt man denn in dieser, unserer schwierigen Zeit schon mal Kaffee und Kuchen? Da muss man schon verstehen, wenn die Menschen lieber sitzenbleiben.
Kurz und gut: Wenn ich im nächsten Jahr noch einmal zu der Veranstaltung eingeladen werden sollte, dann …

Was ist Unterhaltung?

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(23. September 2017) Eine komische und viel zu philosophische Frage für einen eigentlich so heiteren Anlaß wie die Heirat meines Schwagers, oder? Denn zum Fest zur Feier eben dessen bin ich durch die beiden Frischvermählten gebeten, ein wenig table-zu-hoppen: Ihr Wunsch ist mir Befehl. So weit, so unspektakulär. Ich spiele das, was mittlerweile mein Standard-Programm für solche Anlässe geworden ist: Schwammbälle, mouthcoils für die noch wache und überdrehte Jugend, ambitious card, ring'n'string, cut'n restored rope - alles was schnell auf den Punkt kommt, auch von der anderen Seite des Tisches noch gut zu sehen ist und nicht kiloweise Ausrüstung braucht. Erwähnenwert ist nur, dass ich zweimal meine Becher-und-Ball-Nummer zu spielen versuche und beide Male an Gästen scheitere, die - offenbar beflügelt durch den hastigen Genuß eines oder zweier Gläser Rhein-Weines zuviel - beherzt in die Nummer reingrapschen. Bevor sie der Nummer dauerhaften Schaden zufügen kann ich jeweils…

Kinder und Bedienungen

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(16. September 2017) Hat Spaß gemacht! Eine wirklich schöne Feier eines runden Geburtstages und ich mittendrin als kleines Unterhaltungs-amuse-bouche. Die Bedingungen sind zwar nicht ideal, denn es ist picke-packe-voll, die Gäste sitzen dicht gedrängt und hin und wieder bekomme ich einen Ellenbogen in den Rücken gerammt, aber die gut gelaunte Festgesellschaft macht das locker wieder wett. Man ist gelöster Stimmung, man ist wild entschlossen, sich zu unterhalten und sich unterhalten zu lassen - und das ist nicht nur die halbe, das ist die ganze Miete! Wenn die Menschen nicht auf Unterhaltung und nicht auf Zaubern eingestellt sind, dann kann man 12 Elefanten erscheinen und wieder verschwinden lassen und wird trotzdem nur die Bemerkung ernten, dass da ja schon viel Schönes dabeigewesen sei.  Aber wie gesagt ist die Geburtstagsfestgesellschaft aufgeräumter Stimmung - und es spielt keine Musik - und so wage ich es, einige meiner eher wortlastigen Nummern zu spielen, bei denen ich den Natu…

Weil nicht sein kann, was nicht sein darf ...

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(19. August 2017) Die Familie kennt mich, kennt mich gut, auch der Teil, in den ich "nur " eingeheiratet habe, denn das ist immerhin auch schon fast 25 Jahre her. Alle wissen genau: Der Mann ist tief in der Wolle gefärbter Naturwissenschaftler - und das stimmt ja auch. Sie wissen darüberhinaus, dass Naturwissenschaftler ausschließlich an Fakten und Zahlen orientierte Wesen sind, die sich für ihre Mitmenschen aber nicht so interessieren und die keine künstlerische Ader haben - und das stimmt nicht. Der lebende Gegenbeweis schreibt soeben diesen Blog-Beitrag.
Ich weiß mittlerweile, dass Menschen, die mich länger kennen, Schwierigkeiten damit haben, dass ich mich der darstellenden Kunst der Zauberei widme, obwohl ich doch nach dem gängigen Klischee als rationaler Naturwissenschaftler dafür kein Talent haben dürfte. Aber das theoretisch zu wissen ist das Eine, aber das namelose Erstaunen (oder soll ich sagen "Entsetzen"?) in den Augen von Verwandten zu sehen, mit dene…

Boarischs Zaubern

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(8. Juli 2017) Wir sind Abends bei Freunden in München zu Gast: Sie gebürtige Münchnerin, er Flachlandtiroler wie ich auch, beide alles andere als klischeehaft bayrisch.
Früher am Tage war ich durch den Münchner C&A gelaufen und hatte preiswerte Trachtenmode entdeckt oder besser gesagt: Mode die lose an bayrische Trachten angelehnt ist. Da sticht mich der Hafer und ich lege mir ein Outfit in diesem Stile zu: Das ist so peinlich und so dumm-dreist touristisch, dass es schon wieder in Ordnung ist, wie ich finde ... Der Anzug hat den gewünschten Effekt: Er sorgt für Heiterkeit und bissige Kommentare. Wer sich nicht selber auf den Arm nehmen kann, darf das bei anderen erst recht nicht tun.
Je nun: Ich spiele dieselben Nummern wie bei unseren anderen Freunden und wieder kommen die Sachen gut an. Das freut mich insbesondere deshalb, weil ich wirklich Schwierigkeiten habe, mein Repertoire schnell genug auszubauen, um immer wieder etwas Neues zu haben. Neu im Programm sind unter anderem …

Tuchfärbung ohne Brille

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(2. Juli 2017) Ich lag daneben, mal wieder. Ich habe eine Nummer einstudiert, im Rahmen derer ein Tuch mehrfach die Farbe ändert und ich erkläre - vorgeblich - nach einem Durchgang den "Trick". Ich hatte gedacht: Naja, eine kleine Kleinigkeit, die man mal zwischendurch spielen kann, viel Aufwand war es nicht, sie einzustudieren. Aber der Effekt kommt - für mich überraschend - unglaublich gut an. So, wie zum Beispiel just bei einem Kleinstauftritt bei guten Freunden.
Nun kann man sagen: Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler - und was weiß der Angler schon von eines Barsches Leibspeise? Aber müsste ich nicht mittlerweile besser in der Lage sein, vorherzusehen was bei meinem Publikum, bei meinem Vorführstil, bei meiner Bühnenfigur ankommt und was nicht? Andere Nummern, in die ich viel Aufwand für Präsentation, Geschichte und Technik gesteckt habe, verpuffen mehr oder minder, ohne das ich wüsste wieso. So schön das eine ist, so frustrierend ist das andere. Ich hab…