Sonntag, 19. November 2017

Ein Satz mit X ...

(17. November 2017) Zur Erinnerung: Ich wechsele grade meinen Arbeitgeber und habe mich von meinen Frankfurter Kollegen bereits letzte Woche mit einer kleinen Zaubervorstellung verabschiedet - siehe vorhergehender Blog-Beitrag. Meinen Münchner Kollegen - zahlenmäßig mehr als die aus Frankfurt - wollte ich ein Gleiches anbieten.
Ich mache es kurz: 900km in 10 Stunden gefahren, 20 Münchner Kollegen zur Abschiedsvorstellung eingeladen, zwei sind erschienen.
Das erinnert einen mal wieder daran, dass wir Zauberer (und Clowns und Jongleure und Feuerspucker und Ballonmodellierer und stand-up comedians und Amateurmusiker und ...) ein falsches Verständnis von Angebot und Nachfrage haben. Nicht wir haben etwas im Angebot, das die Menschen nachfragen, sondern die Menschen haben etwas, das wir nachfragen: Ihre Zeit. In diesem Sinne habe ich jetzt gelernt, dass die Nachfrage von anderen Angeboten nach der Zeit meiner Kollegen wohl zu groß war, als dass sie sich hätten entschließen können, mir einen Teil dieser Zeit zu widmen.
Na gut: Wieder aufstehen, Staub abschütteln, Krone richten, weitermachen - new job, here I come!

Freitag, 10. November 2017

Zaubern statt Mettbrötchen

(10. November 2017) Wer "seine" Firma verlässt, der feiert einen Ausstand, so ist das in meiner Branche wenigstens üblich. Jaja, ich habe bisher allen Sirenenrufen aus den USA widerstanden und ein Dauerengagement in Las Vegas abgelehnt, ich arbeite nach wie vor in meinem angestammten Brotberuf ... 😉 So ein Ausstand ist normalerweise eine einfache Geschichte: Ein paar Stücke Kuchen auf den Tisch, Kaffee dazu: Fertig ist die Laube. Wahlweise dürfen es auch belegte Brötchen zu einem gemeinsamen Frühstück sein. Da sitzt man dann beisammen und erzählt sich die alten Kriegsgeschichten und versichert sich gegenseitig, wie gerne man miteinander gearbeitet hat - was in machen Fällen sogar stimmt.
Ich wollte das etwas anders gestalten, denn den Partyservice irgendwelche Nahrungsmittel auffahren lassen das kann jeder, zaubern nicht. Also habe ich meinen zukünftigen Ex-Kolleginnen und Ex-Kollegen quasi eine Abschiedsvorstellung gegeben - im vollen Ornat - in der Kaffeeküche - zur äußersten Überraschung der Mitarbeiter, die mich nicht oder nicht so genau kannten.
Es war eine kuriose, eine tolle Veranstaltung in sehr netter Atmosphäre: Eine Stunde micro magic an meinem eigenen Tisch. Nächste Woche gibt's das gleiche noch mal in München, denn da sind auch noch etliche meiner Kolleginnen und Kollegen beheimatet.

Montag, 6. November 2017

Gästeabend des Magischen Zirkels Frankfurt: Eintrag Nummer 101!

Der Zuschauer zaubert für mich: Wayne Dobson at his best!
(5. November 2017) Kaum zu glauben, aber dieser Eintrag in meinem Blog ist der hundert-und-erste! Der erste Eintrag geht auf das Jahr Anno Domini 2014 zurück - und das ist in der Zeitrechnung des Internets die Steinzeit! Ich weiß gar nicht mehr, warum ich seinerzeit damit angefangen habe, aber mittlerweile hat dieses Ding mehr als 12.000 Zugriffe! Kaum zu glauben, wer hat denn die Zeit den Sch€|ß hier zu lesen? Fragt derjenige, der die Zeit hat, den Sch€|ß zu schreiben ...
How-auch-ever: Dieser Eintrag ist noch aus einem anderen Grund was besonderes, er beschreibt nämlich den Gästeabend des Magischen Zirkels in Frankfurt, an dem ich in diesem Jahr nicht nur als Künstler teilnehmen durfte (wie vor einem Jahr; siehe hier), sondern den maßgeblich mitzuorganisieren ich das Vergnügen hatte (ich wollte noch mal den Bildungsbürger raushängen lassen und zeigen, dass ich auch so eine Satzkonstruktion unfallfrei zum Ende bringen kann). Ich durfte den Abend moderieren - und das an meinem Geburtstag. Ich hatte alle meine Freunde, Verwandten und Bekannten zu der Veranstaltung eingeladen - statt einer Geburtstagsfeier sozusagen.
Was soll ich sagen: Für mich war es eine Riesensause! Die Hütte (die Alte Wache in Oberstedten) war voll, ein, zwei Leut' hätten wir vielleicht noch seitlich ins Gepäcknetz legen können, aber mehr wäre nicht gegangen. Die Meute war willens, sich unterhalten zu lassen: Immer eine gute Voraussetzung für darstellende Künstler. Na gut, einen Ausfall hat es gegeben, mit dem sich der Kollege Alex Morgenthau (hier seine Webseite) auseinanderzusetzen hatte: Immer blöd, wenn der Mentalist darauf angewiesen ist, dass der Zuschauer sich etwas denkt und hinterher wahrheitsgemäß Auskunft darüber gibt, was er sich vorher denn so gedacht hat - oder überhaupt Auskunft gibt - und nicht versucht, den Künstler auflaufen zu lassen - oder lustiger sein will als der Mentalist.
Ich hatte da mit dem Zuschauer, mit dem ich Echo von Wayne Dobson (eine Variante der besessenen Karte) gespielt habe, deutlich mehr Glück - oder sollte ich sagen: Fortune? Ich hatte mir den Herrn, der wirklich phantastisch mitgespielt hat, nämlich vorher ausgesucht und anhand seines Verhaltens im Publikum geschlossen, dass er wahrscheinlich auch die etwas derberen Späße würde verkraften können. Er konnte ...
Ansonsten waren noch die Kollegen Amedeo Velluso, Mario Kolodzeike, Hanspeter Balßer und das Duo #zauber{zw}ei bestehend aus Sören Pohl und Samuel Lenz dabei.

P.S.: Unsere Gäste haben uns sehr reichlich mit Spenden bedacht - dafür bedanken wir uns sehr!

Dienstag, 31. Oktober 2017

Mal was anderes!

(26. Oktober 2017) Der Charly ist ein ehemaliger Arbeitskollege von mir und über die Jahre ein guter Bekannter geblieben. Der Charly hat sich einen lange gehegten Traum erfüllt und unter dem Namen Spiel-Punkt einen Spieleladen eröffnet - neben seinem Brotberuf mal so eben nebenher! Hin und wieder haben wir auch schon mal Veranstaltungen zusammen bestritten und ich will nicht lügen: Das war nicht immer so zur vollen Gänze von Erfolg gekrönt - es scheint da noch das richtige, zündende Gesamtkonzept zu fehlen.
Nun arbeitet der Charly seit einiger Zeit bei einer neuen Firma und die hatte dieser Tage ihre jährliche Anwenderkonferenz ausgerichtet. Gut, eine Veranstaltung, die etwas kleiner ist als das, was man sich unter dem Wort "Konferenz" so vorstellt, aber für die Firma doch ein wichtiger Termin im Kalender. Damit der Tag nicht so dröge verläuft und sich nicht nur ein Fachvortrag an den anderen reiht, lockert man den Tag immer durch einen Vortrag "außer der Reihe" auf - und den habe ich in diesem Jahr gehalten. Einen Vortrag zum Thema Neurowissenschaften und Zaubern - den ich unter den Titel "Vielen Dank für Ihre Unaufmerksamkeit!" gestellt habe. Ich habe mich sehr gefreut, dass sich jemand für dieses Thema interessiert und eine Stunde über John Ramsay, Tom Stone und Tommy Wonder erzählt und den Vortrag durch ein paar Kunststücke untermauert - natürlich ohne gegen mein Magischer-Zirkel-Gelübde zu verstossen, ist ja klar ... ;-)
Am Abend war dann noch nach des Tages Mühe ein wenig gemütliches Beisammensein angesagt, was ich durch table hopping begleitet habe. "I'm pleased as punch" wie der Brite sagt: Das hat eine Menge Spaß gemacht und ist richtig gut gelaufen. So langsam finde ich meine Form, meine Figur und meine Nische.

Sonntag, 15. Oktober 2017

Ich bin ein Nerd!

(14. September 2017) Natürlich bin ich das: Ich gebe viel Geld für einen runden Holzstab aus, nur weil irgendjemand "Zauberstab" dranschreibt und ich lege mir noch mal eine zusätzliche 12er-Packung von den extra-teuren, amerikanischen Spielkarten ins Regal (neben die andere, ungeöffnete 12er-Packung derselben Karten) - man weiß ja nie. Wir nennen so eine 12er-Packung übrigens "brick", David Copperfield und ich.
Zu seiner vollen Blüte und schönsten Entfaltung gelangt dieses Nerd-tum bei uns Zauberern während der sogenannten Zauberkongresse. Die haben im engeren Sinne natürlich nichts mit  wissenschaftlichen Kongressen zu tun, sind aber für alle, die sich mit dem Zaubervirus infiziert haben, ein absolutes Paradies für einen Tag. Da sind zum einen die Vorträge der Kollegen, die sich professionell mit der Zauberei beschäftigen und die ihr Wissen weitergeben und zum anderen die Stände der Händler, die diverse Utensilien verkaufen. Man glaubt es kaum: Jedes Jahr wird der heilige Gral des Zauberzubehörs oder der Zaubermethoden gefunden - mehrfach - auf eine DVD oder
zwischen Buchdeckel gepresst - nur in begrenzter Stückzahl erhältlich - nur hier und heute zu Kongresspreisen ;-) Der Kongress Magie Exquisit des Ortszirkels Frankfurt des Magischen Zirkels, der im wunderschönen Comoedienhaus Wilhelmsbad in Hanau stattfindet, ist da keine Ausnahme. Ich war da und hatte mir vorgenommen nichts zu kaufen. Bis ich was gekauft habe, hat das auch ganz gut funktioniert. Ich bin eben ein Nerd, ich stehe dazu.
Mich fasziniert besonders der Vortrag von Thomas Fraps, der genauso wie ich studierter  Naturwissenschaftler ist (na gut, nur Physiker, aber die muss es ja auch geben ...) und der sich genauso wie ich für die naturwissenschaftlichen Grundlagen der Zauberei und insbesondere für die neurowissenschaftlichen Erkenntnisse in diesem Bereich interessiert. Hey, es gibt tatsächlich außer Tom Stone und Richard Wiseman - mit denen ich mich um Gottes Willen nicht vergleichen will! - noch mehr Leute, die sich ernsthaft und auf der Basis gesicherten, naturwissenschaftlichen Wissens mit der Zauberei auseinandersetzt - cool!
Und dann kommt Mike Caveney - und ich bekomme einen Muskelkater in den Bauchmuskeln vom Lachen! Der Mann hat einen so englischen Humor, dass es schwer zu glauben ist, dass er aus dem mittleren Westen der USA stammt. Kostprobe gefällig? "For the people who accuse me of fiddling around with the props, I only have two words - 'Ha!' - and I forgot the other one ..." Yep, that sense of humor is right up my alley! Hier eine Kostprobe seines Stils auf Youtube.

Mittwoch, 27. September 2017

Leer

(24. September 2017) Diejenigen meiner Leser, die wissen, dass ich ein gebürtiger Ostfriese bin, könnten vermuten, dass der Titel die gleichnamige Stadt in Ostfriesland meint. Ist aber nicht so. Er bezeichnet in der Tat den Füllstand meines Publikums anläßlich der Gemeindefeier in unserer lokalen Kirchengemeinde. Das Photo ist eine getreue Wiedergabe der Situation, wie sie den größten Teil der Zeit war. Das ist mir auch noch nicht passiert! Gut, ich muss zugeben, dass ich mit der Plazierung im Obergeschoss im erweiterten Treppenhaus zufrieden war, weil ich davon ausgegangen war, dass sich das Publikum schon durch das Haus bewegen würde. War aber nicht so. Unten im Saal gab es Kaffee und Kuchen und das geht ja bekanntlich immer: Wann bekommt man denn in dieser, unserer schwierigen Zeit schon mal Kaffee und Kuchen? Da muss man schon verstehen, wenn die Menschen lieber sitzenbleiben.
Kurz und gut: Wenn ich im nächsten Jahr noch einmal zu der Veranstaltung eingeladen werden sollte, dann werde ich nur table hopping im Saal anbieten und hoffen, dass das ins Programm paßt. Dann kann ich mir auch mein Publikum etwas besser aussuchen. Am eigenen Tisch zu stehen bedeutet natürlich, dass zuallervörderst die Kinder kommen - und ich habe mittlerweile verstanden, dass es Kollegen gibt, die als Kinderunterhalter einfach besser sind als ich mit meinen wortschweren, ironischen Nummern über Isaac Newton und Elementarteilchen. Wenn dann unter den Kindern auch noch solche sind, denen ihre Eltern eine anständige Erziehung verweigert haben und die trotz mehrfacher Aufforderung das nicht zu tun reingrapschen, rumschreien und mit aller Macht hinter den Tisch wollen, dann sinkt meine Laune merklich. Es verstehe mich niemand falsch: Die Mehrheit der Kinder sind toll als Publikum. Sie klatschen zwar nicht (das ist ist eine Kulturtechnik, die offenbar erst nach der Pubertät erlernt wird), aber offene Münder und "Wie machst Du das?"-Nachfragen zeigen, dass sie sich gut unterhalten fühlen.
Na gut: Wieder eine Erfahrung reicher und weiter geht die Fahrt ...

Sonntag, 24. September 2017

Was ist Unterhaltung?

(23. September 2017) Eine komische und viel zu philosophische Frage für einen eigentlich so heiteren Anlaß wie die Heirat meines Schwagers, oder? Denn zum Fest zur Feier eben dessen bin ich durch die beiden Frischvermählten gebeten, ein wenig table-zu-hoppen: Ihr Wunsch ist mir Befehl. So weit, so unspektakulär. Ich spiele das, was mittlerweile mein Standard-Programm für solche Anlässe geworden ist: Schwammbälle, mouthcoils für die noch wache und überdrehte Jugend, ambitious card, ring'n'string, cut'n restored rope - alles was schnell auf den Punkt kommt, auch von der anderen Seite des Tisches noch gut zu sehen ist und nicht kiloweise Ausrüstung braucht. Erwähnenwert ist nur, dass ich zweimal meine Becher-und-Ball-Nummer zu spielen versuche und beide Male an Gästen scheitere, die - offenbar beflügelt durch den hastigen Genuß eines oder zweier Gläser Rhein-Weines zuviel - beherzt in die Nummer reingrapschen. Bevor sie der Nummer dauerhaften Schaden zufügen kann ich jeweils die Nummer zu einen vorzeitigen Ende führen. Wieder was gelernt.
Jetzt aber zur Unterhaltung: Ich bin nicht der einzige darstellende Künstler unter den Gästen, der die Veranstaltung heimsucht. Es gibt eine erhebliche Fraktion von Clowns, die es sich nicht nehmen lassen, zwei Nummern zu spielen. Jetzt habe ich seit gestern viel darüber nachgedacht, wie ich meine Meinung zum Dargebotenen in freundliche oder wenigstens lustige Worte fasse: Es fällt mir nichts ein. Ich fand die beiden Nummern tod-sterbens-langweilig, so, jetzt ist es raus ... Ich fand das Vorgestellte banal, sehr Slapstick-lastig (Teller fallen zu Boden, Kleidungsstücke rutschen, ...) und generell un-lustig. Groteske Verkleidungen, schiefes Singen und rote Nasen sollen offensichtlich signalisieren: Hier wird's lustig. Wird es für mich aber nicht. Und noch während die Nummern laufen, frage ich mich, was denn nun"unterhaltsam" ist. Ich habe noch keine vollständige Theorie der Unterhaltung (sobald ich die habe, schreibe ich ein Buch, werde berühmt und reich und setzte mich zur Ruhe), aber ich kann folgende drei Faktoren bereits jetzt benennen:

  • Tempo
  • Überrraschung
  • Relevanz

Ich hasse es, wenn eine Idee, die ich lange verstanden habe, endlos ausgewalzt wird, genauso wie ich es hasse, wenn Abläufe absehbar sind. Schlußendlich ist für mich immer die Frage: Was bedeutet das für mich, welche Anknüpfungspunkte gibts da für mich? Man muss das nicht überhöhen, es soll schließlich leichte Unterhaltung bleiben, aber so sieht's nun mal für mich aus.
Es verstehe mich niemand falsch: Ich habe groẞen Respekt davor, dass Menschen ihre Freizeit dafür einsetzen, anderen eine Freude zu machen, aber ich hoffe, dass mich mal bei Gelegenheit jemand beiseite nimmt und sagt: "Karsten, da war schon viel Schönes dabei, aber ...".

Ein Satz mit X ...