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Kinder und Bedienungen

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(16. September 2017) Hat Spaß gemacht! Eine wirklich schöne Feier eines runden Geburtstages und ich mittendrin als kleines Unterhaltungs-amuse-bouche. Die Bedingungen sind zwar nicht ideal, denn es ist picke-packe-voll, die Gäste sitzen dicht gedrängt und hin und wieder bekomme ich einen Ellenbogen in den Rücken gerammt, aber die gut gelaunte Festgesellschaft macht das locker wieder wett. Man ist gelöster Stimmung, man ist wild entschlossen, sich zu unterhalten und sich unterhalten zu lassen - und das ist nicht nur die halbe, das ist die ganze Miete! Wenn die Menschen nicht auf Unterhaltung und nicht auf Zaubern eingestellt sind, dann kann man 12 Elefanten erscheinen und wieder verschwinden lassen und wird trotzdem nur die Bemerkung ernten, dass da ja schon viel Schönes dabeigewesen sei.  Aber wie gesagt ist die Geburtstagsfestgesellschaft aufgeräumter Stimmung - und es spielt keine Musik - und so wage ich es, einige meiner eher wortlastigen Nummern zu spielen, bei denen ich den Natu…

Weil nicht sein kann, was nicht sein darf ...

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(19. August 2017) Die Familie kennt mich, kennt mich gut, auch der Teil, in den ich "nur " eingeheiratet habe, denn das ist immerhin auch schon fast 25 Jahre her. Alle wissen genau: Der Mann ist tief in der Wolle gefärbter Naturwissenschaftler - und das stimmt ja auch. Sie wissen darüberhinaus, dass Naturwissenschaftler ausschließlich an Fakten und Zahlen orientierte Wesen sind, die sich für ihre Mitmenschen aber nicht so interessieren und die keine künstlerische Ader haben - und das stimmt nicht. Der lebende Gegenbeweis schreibt soeben diesen Blog-Beitrag.
Ich weiß mittlerweile, dass Menschen, die mich länger kennen, Schwierigkeiten damit haben, dass ich mich der darstellenden Kunst der Zauberei widme, obwohl ich doch nach dem gängigen Klischee als rationaler Naturwissenschaftler dafür kein Talent haben dürfte. Aber das theoretisch zu wissen ist das Eine, aber das namelose Erstaunen (oder soll ich sagen "Entsetzen"?) in den Augen von Verwandten zu sehen, mit dene…

Boarischs Zaubern

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(8. Juli 2017) Wir sind Abends bei Freunden in München zu Gast: Sie gebürtige Münchnerin, er Flachlandtiroler wie ich auch, beide alles andere als klischeehaft bayrisch.
Früher am Tage war ich durch den Münchner C&A gelaufen und hatte preiswerte Trachtenmode entdeckt oder besser gesagt: Mode die lose an bayrische Trachten angelehnt ist. Da sticht mich der Hafer und ich lege mir ein Outfit in diesem Stile zu: Das ist so peinlich und so dumm-dreist touristisch, dass es schon wieder in Ordnung ist, wie ich finde ... Der Anzug hat den gewünschten Effekt: Er sorgt für Heiterkeit und bissige Kommentare. Wer sich nicht selber auf den Arm nehmen kann, darf das bei anderen erst recht nicht tun.
Je nun: Ich spiele dieselben Nummern wie bei unseren anderen Freunden und wieder kommen die Sachen gut an. Das freut mich insbesondere deshalb, weil ich wirklich Schwierigkeiten habe, mein Repertoire schnell genug auszubauen, um immer wieder etwas Neues zu haben. Neu im Programm sind unter anderem …

Tuchfärbung ohne Brille

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(2. Juli 2017) Ich lag daneben, mal wieder. Ich habe eine Nummer einstudiert, im Rahmen derer ein Tuch mehrfach die Farbe ändert und ich erkläre - vorgeblich - nach einem Durchgang den "Trick". Ich hatte gedacht: Naja, eine kleine Kleinigkeit, die man mal zwischendurch spielen kann, viel Aufwand war es nicht, sie einzustudieren. Aber der Effekt kommt - für mich überraschend - unglaublich gut an. So, wie zum Beispiel just bei einem Kleinstauftritt bei guten Freunden.
Nun kann man sagen: Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler - und was weiß der Angler schon von eines Barsches Leibspeise? Aber müsste ich nicht mittlerweile besser in der Lage sein, vorherzusehen was bei meinem Publikum, bei meinem Vorführstil, bei meiner Bühnenfigur ankommt und was nicht? Andere Nummern, in die ich viel Aufwand für Präsentation, Geschichte und Technik gesteckt habe, verpuffen mehr oder minder, ohne das ich wüsste wieso. So schön das eine ist, so frustrierend ist das andere. Ich hab…

Zwei von dreien versaut

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(24. Juni 2017) Zum Sommerfest des TSV Berkersheim, dessen Vorsitzender ich bin, muss ich natürlich etliche Beiträge liefern: Bänke schleppen, Getränke bestellen, Zelt aufbauen, Gäste begrüßen, Preislisten aufhängen - und zaubern. Ich habe mich dieses Mal für ein kleines, kurzes Programm auf Halbdistanz entschieden und dafür, Nummern zu spielen, die ich bereits gut kenne (Echo von Wayne Dobson und eine dreifache Kartenvorhersage). Wie üblich mache ich mich über meine mangelnden Mentalistenfähigkeiten lustig und interpretiere die Nummern dergestalt um, dass nicht ich die Vorhersagen mache oder zaubere, sondern die Zuschauer.
Wie üblich gibt es eine Menge Ironie und Sarkasmus und die kreative Publikumsbeleidigung.
Obwohl ich die Nummern gut kenne und bereits mehrfach gespielt habe, versaue ich zwei von dreien! In beiden Fällen gelingt es mir, die Fehlleistung so zu kaschieren, dass es wohl nicht aufgefallen ist, denn hinterher bekomme ich eine Menge Zuspruch und positive Rückmeldungen …

Pause, Pause und Pause

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(10. Juni 2017) Das Hoffest der Fidelen Eckenheimer ist gut besucht, sehr gut sogar. Dazu mag das hervorragende Wetter seinen Teil beigetragen haben, aber Kaffee und Kuchen gehen immer, insbesondere wenn noch ein bischen Bier und Äppler "un e besje Bebabbel mit de Leut" dabei ist: Nichts dagegen einzuwenden.
Mir hat es nicht gefallen. Für mich war die Veranstaltung eine Prüfung, eine Prüfung meiner Geduld. Denn den wesentlichen Teil des Nachmittages nimmt die Ziehung einer schier endlosen Anzahl von Tombolapreisen ein. Ich bin mit table hopping immer nur in den Pausen dieser Preisvergabe dran - und so eine Verlosungsrunde kann schon mal 40 Minuten dauern. Während dieser Zeit sitze ich rum. Das ist im Prinzip in Ordnung, denn es ist im Prinzip so vereinbart, aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass die Pause so lang sein würden. Nun bin ich von der Einsicht in die eigene Bedeutungslosigkeit vollständig durchdrungen: Zauberer sind, wenn sie nicht grade David Copperfield, Pe…

Freunde sind wie Kinder

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(25. Mai 2017) Kinder sind für mich als Publikum schwierig: Sie haben nur eine kurze Aufmerksamkeitsspanne, interessieren sich nicht für meine Vorträge (die ich immer so witzig, interessant und einfallsreich finde - einer muss sie ja schließlich mögen ...) und wollen es immer schnell, bunt und laut.
Freunde sind genauso - nur anders. Sie kennen einen in einer anderen Rolle, sie kennen die eigenen Stärken und Schwächen, sie "kaufen" die Bühnenperson nicht, die man anderen Zuschauern zeigt. Das alles macht es sehr viel schwerer, selbst die fertigen, geschliffenen Routinen glaubhaft und gut zu spielen. So auch für mich, der ich am Vatertag meine guten, alten Freunden über dem Nachtisch eines Grillabends ein wenig unterhalten wollte. Im Publikum sitzen zwei Patentanwälte, eine Tiermedizinerin, eine Übersetzerin und eine Biochemikerin - auch das macht die Sache nicht einfacher. Dafür, so wage ich zu sagen, lief's gut. Es scheint sich das Publikum gut amüsiert zu haben. Ein Fr…